Traumafolgestörungen

Traumafolgestörungen sind psychische Krankheitsbilder, die als direkte Reaktion auf ein oder mehrere traumatische Erlebnisse entstehen. Ein Trauma wird dabei als ein Ereignis von katastrophalem Ausmaß definiert (z. B. schwere Unfälle, Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen oder Krieg), das die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen völlig überfordert.

In der Psychologie versteht man diese Störungen nicht als „Schwäche“, sondern als eine biologische und psychische Anpassungsleistung des Organismus an eine unerträgliche Situation.

Hier sind die wichtigsten Formen und Mechanismen:

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Dies ist die bekannteste Form. Sie ist durch drei Hauptsymptomgruppen gekennzeichnet:

Komplexe PTBS (K-PTBS)

Dieser Begriff wurde in die neue Diagnoseklassifikation (ICD-11) aufgenommen. Er beschreibt Folgen von langanhaltenden oder wiederholten Traumatisierungen (z. B. jahrelanger Missbrauch oder Gefangenschaft), aus denen eine Flucht nicht möglich war.

Zusätzlich zur klassischen PTBS treten hier auf:

Dissoziative Störungen

Bei extremen Traumata spaltet das Gehirn Informationen ab, um das Überleben zu sichern.

Was passiert im Gehirn?

Bei einer Traumafolgestörung ist die Kommunikation zwischen den Hirnarealen gestört:

  • Amygdala (Alarmzentrum):
    Sie ist hyperaktiv und feuert bei kleinsten Reizen (Triggern) „Alarm“, als bestünde Lebensgefahr.

  • Hippocampus (Archiv):
    Er wird durch das Stresshormon Cortisol gehemmt. Dadurch kann das Trauma nicht als „vergangen“ abgespeichert werden; es bleibt eine „offene Wunde“.

  • Präfrontaler Cortex (Kontrollzentrum):
    Er schafft es nicht mehr, die Amygdala zu beruhigen. Die Logik setzt in Stressmomenten aus.

Die Perspektive der Trauma-Informiertheit

Ein wichtiger und positiver Trend in der heutigen Psychologie ist es, Symptome nicht nur als „Störung“ zu sehen, sondern zu fragen: „Was ist dir passiert?“ statt „Was stimmt nicht mit dir?“. Viele Verhaltensweisen, die heute problematisch sind (z. B. Sucht, Aggression oder Rückzug), waren zum Zeitpunkt des Traumas überlebenswichtige Schutzstrategien.