Bewusstsein
In der Psychologie wird das Bewusstsein als die Summe unserer Erfahrungen – das Wissen um uns selbst (Selbstbewusstsein) und das Gewahrsein unserer Umwelt sowie unserer inneren Zustände (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen) beschrieben.
Lange Zeit galt Bewusstsein als rein philosophisches Thema, heute untersuchen es die Psychologie und die Neurowissenschaften als messbaren Zustand.
Ebenen des Bewusstseins (nach Sigmund Freud)
Eines der ältesten Modelle zur Strukturierung des Bewusstseins stammt aus der Psychoanalyse. Freud nutzte das Eisbergmodell, um zu verdeutlichen, dass der größte Teil unseres psychischen Geschehens unter der Oberfläche liegt.
- Bewusst:
Alles, was wir im aktuellen Moment denken, fühlen und wahrnehmen (die Spitze des Eisbergs). - Vorbewusst:
Informationen und Erinnerungen, die im Moment nicht aktiv sind, aber jederzeit abgerufen werden können (z. B. deine Telefonnummer). - Unbewusst:
Verdrängte Konflikte, traumatische Erlebnisse und Instinkte, die unser Verhalten beeinflussen, ohne dass wir direkten Zugriff darauf haben.
Dimensionen des Bewusstseins
In der modernen Psychologie unterscheidet man meist zwei Hauptdimensionen:
- Wachheitsgrad (Arousal):
Die physiologische Ebene. Sie reicht von Tiefschlaf über Benommenheit bis hin zu höchster Aufmerksamkeit. Gesteuert wird dies vor allem durch das Ascending Reticular Activating System (ARAS) im Hirnstamm. - Bewusstseinsinhalt (Awareness):
Die Qualität dessen, was wir erleben. Hierzu gehört die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, zu bewerten und darüber zu berichten.
Funktionen des Bewusstseins: Wozu brauchen wir es?
Das Gehirn erledigt den Großteil seiner Arbeit (Atmen, Gehen, Syntax bilden) unbewusst. Bewusstsein schaltet sich ein, wenn:
- Selektive Aufmerksamkeit nötig ist (Konzentration auf eine Aufgabe).
- Neue Probleme gelöst werden müssen, für die es noch keine Routine gibt.
- Handlungsplanung und die Unterdrückung von Impulsen (Exekutive Funktionen) gefragt sind.
Bewusstseinszustände und Störungen
Das Bewusstsein ist kein starrer Zustand, sondern verändert sich:
- Veränderte Zustände:
Träume, Meditation, Hypnose oder durch Substanzen induzierte Zustände. - Bewusstseinsstörungen:
- Quantitativ:
Bewusstlosigkeit, Koma, Somnolenz (Schläfrigkeit). - Qualitativ:
Bewusstseinstrübung (Verwirrtheit) oder Einengung (z. B. bei extremem Schock oder Panik).
- Quantitativ:
Zusammenfassung
Bewusstsein ist der „Raum“, in dem unsere psychischen Prozesse für uns sichtbar werden. Es ist eng mit der Aufmerksamkeit verknüpft – nur worauf wir unser Bewusstsein richten, können wir aktiv verändern.