Albträume

Albträume sind in der Psychologie als intensive Angstträume definiert, die meist in der zweiten Nachthälfte während der REM-Phase (Rapid Eye Movement) auftreten und dazu führen, dass die betroffene Person sofort wach wird und sich lebhaft an den Inhalt erinnert.

Warum haben wir Albträume?

Die moderne Psychologie unterscheidet zwischen verschiedenen Auslösern:

  • Emotionsregulation:
    Die führende Theorie besagt, dass Albträume ein Versuch des Gehirns sind, intensiven Stress oder Ängste zu verarbeiten. Wenn die Kapazität zur Verarbeitung im Schlaf überfordert ist, „entgleist“ der Traum und wird zum Albtraum.

  • Evolutionäre Vorbereitung (Threat Simulation Theory):
    Albträume könnten ein biologischer Mechanismus sein, um Gefahrensituationen in einer sicheren Umgebung zu „proben“.

  • Psychische Belastungen:
    Stress im Alltag, Traumata (PTBS), Depressionen oder Persönlichkeitsmerkmale (wie eine hohe Sensibilität) erhöhen die Frequenz.

  • Biologische Faktoren:
    Medikamente (z. B. Betablocker oder Antidepressiva), Alkoholkonsum oder Fieber können die REM-Schlaf-Architektur stören.

Der Teufelskreis der Albtraum-Störung

Wenn Albträume regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) auftreten und den Alltag belasten, spricht man von einer Albtraum-Störung. Dabei entsteht oft ein Teufelskreis:

  1. Angst vor dem Einschlafen:
    Aus Furcht vor dem nächsten Albtraum wird der Schlaf hinausgezögert.

  2. Schlafmangel:
    Schlafmangel führt zu einem „REM-Rebound“ (das Gehirn holt den Traumschlaf intensiver nach), was die Wahrscheinlichkeit für neue Albträume erhöht.

  3. Tagesmüdigkeit:
    Konzentrationsstörungen und gereizte Stimmung belasten die mentale Gesundheit weiter.

Die effektivste Therapie: Imagery Rehearsal Therapy (IRT)

In der kognitiven Verhaltenstherapie gilt die IRT als Goldstandard. Sie basiert auf der Idee, dass Albträume eine „schlechte Gewohnheit“ des Gehirns geworden sind, die man umtrainieren kann.

Die 3 Schritte der IRT:

  1. Aufschreiben:
    Schreiben Sie den belastenden Albtraum detailliert auf.

  2. Ändern:
    Überlegen Sie sich ein neues, positives oder neutrales Ende. Sie sind der Regisseur! (Beispiel: Statt verfolgt zu werden, bekommt man plötzlich Superkräfte und fliegt davon).

  3. Einprägen:
    Visualisieren Sie dieses neue Ende täglich für ca. 5–10 Minuten im wachen Zustand.

Abgrenzung: Albtraum vs. Nachtschreck (Pavor Nocturnus)

Oft werden diese beiden Phänomene verwechselt, psychologisch sind sie jedoch völlig unterschiedlich:

Merkmal Albtraum Nachtschreck (Pavor Nocturnus)
Zeitpunkt Meist späte Nacht (REM-Schlaf) Meist erste Nachthälfte (Tiefschlaf)
Erinnerung Detailliert und lebhaft Meist keine Erinnerung
Zustand Man wacht sofort auf Man wirkt wach (schreit), schläft aber
Alter Alle Altersgruppen Meist Kinder im Kleinkindalter

Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?

Psychologische Unterstützung ist ratsam, wenn: