Stimulus (Reiz)
In der Psychologie ist ein Stimulus (Reiz) der Auslöser für eine Reaktion. Er ist der Startpunkt fast jeder Verhaltenskette und beschreibt alle inneren oder äußeren Ereignisse, die von unseren Sinnesorganen wahrgenommen werden und eine messbare Antwort im Organismus hervorrufen.
Arten von Stimuli
Der Behaviorismus unterscheidet Reize nach der Entstehung ihrer Reaktion:
- Unbedingter (unkonditionierter) Reiz (Unconditioned Stimulus – US/UCS):
- Natur: Angeboren, biologisch verankert.
- Wirkung: Löst automatisch und reflexartig eine Reaktion aus.
- Beispiel: Futter, lauter Knall, Nadelstich.
- Bedingter (konditionierter) Reiz (Conditioned Stimulus – CS):
- Natur: Erlernt, zuvor ein „neutraler Reiz“ (NS).
- Wirkung: Löst eine Reaktion erst nach Assoziation mit dem US aus.
- Beispiel: Glockenton (nach Verknüpfung mit Futter), ein bestimmter Geruch, ein Warnsignal.
Aber auch nach ihrer Herkunft oder ihrer gelernten Bedeutung ein:
- Externer Stimulus:
Reize aus der Umwelt (z. B. das Klingeln eines Telefons, der Anblick einer Schokoladentafel). - Interner Stimulus:
Reize aus dem Körper oder der Psyche (z. B. ein Hungergefühl, ein plötzlicher Angstgedanke oder Herzrasen). - Diskriminativer Stimulus (SD):
Ein Hinweisreiz, der signalisiert: „Wenn du jetzt ein bestimmtes Verhalten zeigst, folgt eine Belohnung.“ (z. B. das „Geöffnet“-Schild an einer Bäckerei).
Der Stimulus in den großen Theorien
Die Bedeutung des Reizes hat sich in der Geschichte der Psychologie gewandelt:
Klassische Konditionierung (Pawlow)
Hier wird ein neutraler Reiz (Glocke) mit einem unkonditionierten Reiz (Futter) gekoppelt, bis der neutrale Reiz allein eine Reaktion auslöst.
Operante Konditionierung (Skinner)
Hier dient der Stimulus eher als Rahmenbedingung. Er gibt den Kontext vor, in dem ein Verhalten gelernt wird. Der Fokus liegt darauf, was nach dem Reiz und der Reaktion passiert (die Konsequenz).
SORKC-Modell (Kanfer)
Im SORKC-Modell wird der Stimulus nicht isoliert betrachtet. Durch die Komponente O (Organismus) wird erklärt, warum derselbe Reiz bei zwei Menschen völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen kann:
- S (Hund bellt) –> O (Person A hat Angst vor Hunden) –> R (Weglaufen)
- S (Hund bellt) –> O (Person B ist Hundetrainer) –> R (Freudiges Pfeifen)
Stimulus-Kontrolle
Ein wichtiger Begriff in der Therapie ist die Stimulus-Kontrolle. Wenn man ein Verhalten ändern will (wie das Rauchen), versucht man oft, die Stimuli zu manipulieren:
- Aschenbecher aus der Wohnung entfernen (Reiz-Elimination).
- Den Schreibtisch nur zum Arbeiten nutzen, nicht zum Essen (Reiz-Diskrimination).