Yerkes-Dodson-Gesetz

Das Yerkes-Dodson-Gesetz ist ein prominentes Konzept der Psychologie, das von den beiden US-amerikanischen Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson stammt.
Es beschreibt den Zusammenhang zwischen Arousal (dem Erregungsniveau oder Stresspegel) und der Leistungsfähigkeit.

Die zentrale Erkenntnis: Es gibt ein „optimales Maß“ an Stress. Sowohl zu wenig als auch zu viel Stress führen zu schlechterer Leistung.

Die umgekehrte U-Kurve

Stellen Sie sich den Zusammenhang als eine Kurve vor, die wie ein umgekehrtes „U“ aussieht:

  1. Untererregung (Langeweile):
    Wenn man gar keinen Druck verspürt oder die Aufgabe zu einfach ist, ist man unaufmerksam und unmotiviert. Die Leistung ist niedrig.
  2. Optimales Arousal (Flow/Fokus):
    Ein mittleres Maß an Erregung führt zur höchsten Leistungsfähigkeit. Man ist wach, fokussiert und effizient. Neurobiologisch wirken Dopamin und Noradrenalin hier ideal zusammen.
  3. Übererregung (Panik/Stress):
    Steigt der Stresspegel weiter an (z. B. durch Prüfungsangst oder Zeitdruck), bricht die Leistung ein. Das Gehirn wird mit Adrenalin und Cortisol geflutet, was den Fokus blockiert.

Die Rolle der Aufgabenkomplexität

Ein wichtiger Zusatz des Gesetzes ist, dass das umgekehrte „U“ je nach Schwierigkeit der Aufgabe wandert:

  • Einfache Aufgaben:
    Hier verträgt man ein hohes Maß an Erregung. Ein hoher Adrenalinspiegel (z. B. beim 100-Meter-Lauf oder beim bloßen Dateneintippen) kann die Leistung sogar fördern. Das Optimum liegt weiter rechts.
  • Komplexe Aufgaben:
    Bei schwierigen kognitiven Aufgaben (z. B. Programmieren, eine neue Sprache lernen oder komplexe Probleme lösen) liegt das Optimum viel weiter links. Hier ist schon ein geringer Stresspegel hinderlich, da man für diese Aufgaben Ruhe und einen klaren präfrontalen Cortex benötigt.

Psychologische Implikationen für den Alltag

Fokus und Konzentration

Wenn man sich nicht konzentrieren kann, lohnt sich ein Blick auf den eigenen Erregungszustand (Arousal):

  • Ist man zu entspannt, braucht man einen „Kick“ (Musik, Bewegung, ein klares Ziel), um in die Kurve zu kommen.
  • Ist man zu gestresst, braucht man mehr Entspannung (Atmung, Pausen), um das System wieder in Richtung des Leistungsoptimums zu „bremsen“.

Prüfungssituationen

Das „Blackout“ in Prüfungssituationen ist das perfekte Beispiel für das Yerkes-Dodson-Gesetz. Die Erregung schießt über das Optimum hinaus, das Gehirn wechselt in den Überlebensmodus (Adrenalin), und der Zugriff auf komplexe Wissensinhalte (im Präfrontalen Cortex) wird gekappt.

Zusammenfassung der Neurochemie

  • Anstieg der Kurve:
    Wird durch Dopamin und Glutamat (Antrieb und Signalübertragung) getrieben.
  • Abfall der Kurve:
    Passiert, wenn Adrenalin und Cortisol die Oberhand gewinnen.
  • Stabilisierung:
    Hier hilft GABA, um das System am Scheitelpunkt der Kurve zu halten und ein „Überdrehen“ zu verhindern.