Humanistische Psychologie
Die Humanistische Psychologie entwickelte sich hauptsächlich in den 1950er- und 1960er-Jahren in den USA als sogenannte „dritte Kraft“. Sie entstand als Gegenbewegung zum deterministischen Menschenbild der Psychoanalyse und des Behaviorismus. Als eigentliche Geburtsstunde gelten die Jahre um 1961/62, geprägt durch die Gründung der American Association for Humanistic Psychology (AAHP).
Das Kernkonzept: Der Mensch im Mittelpunkt
Im Gegensatz zu anderen Schulen geht die Humanistische Psychologie davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut ist und einen inneren Drang zur Selbstverwirklichung besitzt.
- Ganzheitlichkeit:
Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile (Körper, Geist, Seele). - Hier und Jetzt:
Die gegenwärtige Erfahrung ist wichtiger als die bloße Analyse der Kindheit. - Autonomie:
Jeder Mensch hat die Freiheit und die Verantwortung, sein Leben selbst zu gestalten.
Die wichtigsten Pioniere und ihre Modelle
| Vertreter | Kernkonzept | Kurzbeschreibung |
| Abraham Maslow | Bedürfnispyramide | Stufte Bedürfnisse von den physiologischen Bedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung ein. |
| Carl Rogers | Klientenzentrierte Therapie | Betont Empathie, Kongruenz (Echtheit) und bedingungslose Wertschätzung. |
| Viktor Frankl | Logotherapie | Sucht nach dem Sinn als primäre Motivationskraft des Menschen. |
| Fritz Perls | Gestalttherapie | Fokus auf die unmittelbare Wahrnehmung und das Schließen „offener Gestalten“. |
Die therapeutische Haltung
Nach Carl Rogers basiert Heilung nicht auf technischen „Tricks“, sondern auf der Beziehung zwischen Therapeut und Klient. Drei Bedingungen sind dafür essenziell:
- Empathie:
Das einfühlende Verstehen der Welt des anderen. - Akzeptanz:
Den Klienten ohne Bewertung so annehmen, wie er ist. - Kongruenz:
Der Therapeut ist echt und versteckt sich nicht hinter einer professionellen Maske.
„Das merkwürdige Paradoxon ist, dass ich mich erst ändern kann, wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin.“ – Carl Rogers
Warum das heute noch wichtig ist
Die Humanistische Psychologie hat den Weg für das moderne Coaching, die Positive Psychologie und reformpädagogische Ansätze geebnet. Sie erinnert uns daran, dass psychische Gesundheit mehr ist als nur die Abwesenheit von Krankheit – es ist das volle Ausschöpfen des eigenen Potenzials.