Positive Psychologie

Die Positive Psychologie ist eine noch relativ junge Strömung der Psychologie, die in den 1990er Jahren maßgeblich durch Martin Seligman populär wurde.

Im Gegensatz zur klassischen Psychologie, die sich oft auf die Heilung von Krankheiten, Defiziten und Traumata konzentriert („Was macht Menschen krank?“), stellt die Positive Psychologie eine andere Frage: „Was macht das Leben lebenswert?“

Das Kernkonzept: Vom Minus ins Plus

Stellen Sie sich eine Skala von -10 bis +10 vor. Die traditionelle Psychologie versucht oft, einen Patienten von -8 (depressiv) auf 0 (neutral/funktionsfähig) zu bringen.
Die Positive Psychologie setzt dort an und fragt, wie wir von der 0 in den Bereich von +5 oder +10 kommen – also zu echter Lebenszufriedenheit und „Aufblühen“ (Flourishing).

Das PERMA-Modell

Eines der bekanntesten Modelle der Positiven Psychologie ist das PERMA-Modell von Seligman. Es beschreibt fünf Säulen, die für unser Wohlbefinden entscheidend sind:

  • P – Positive Emotions (Positive Gefühle):
    Nicht nur Spaß, sondern auch Dankbarkeit, Hoffnung und Freude aktiv erleben.
  • E – Engagement (Engagement/Flow):
    In einer Tätigkeit so aufgehen, dass man die Zeit vergisst (der sogenannte „Flow-Zustand“).
  • R – Relationships (Beziehungen):
    Stabile, unterstützende und liebevolle soziale Bindungen.
  • M – Meaning (Sinn):
    Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein oder eine Aufgabe zu haben, die sinnvoll ist.
  • A – Accomplishment (Erfolg/Wirksamkeit):
    Das Erreichen von Zielen und das Erleben von Kompetenz.

Häufige Missverständnisse

Es ist wichtig, die Positive Psychologie von „positivem Denken“ oder „Toxischer Positivität“ abzugrenzen:

  • Kein Verdrängen:
    Es geht nicht darum, negative Gefühle wie Trauer oder Wut zu ignorieren. Diese gehören zum Menschsein dazu.
  • Wissenschaftliche Basis:
    Im Gegensatz zu vielen Selbsthilfe-Ratgebern basiert die Positive Psychologie auf empirischer Forschung und Studien.
  • Ergänzung, kein Ersatz:
    Sie versteht sich nicht als Ersatz für klassische Therapie, sondern als notwendige Erweiterung des Blickfelds.

Eine kleine Übung aus der Praxis: „Die drei guten Dinge“

Notieren Sie sich für eine Woche jeden Abend drei Dinge, die an diesem Tag gut gelaufen sind und warum sie gut gelaufen sind. Dies trainiert das Gehirn, den Fokus weg von potenziellen Bedrohungen hin zu Ressourcen zu lenken.