Identität

In der Psychologie ist die Identität ein Konzept, das die Gesamtheit der Merkmale beschreibt, die ein Individuum kennzeichnen und von anderen unterscheiden. Es geht dabei um die Beantwortung der grundlegenden Frage: „Wer bin ich?“

Dabei wird das Thema oft in zwei Dimensionen unterteilt: die personale Identität (einzigartige Eigenschaften und Biografie) und die soziale Identität (Zugehörigkeit zu Gruppen).

Kernmodelle der Identitätspsychologie

1. Das Stufenmodell nach Erik Erikson

Erikson betrachtete die Identitätsbildung als die zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters. Er prägte den Begriff der Identitätskrise. In diesem Stadium muss der Jugendliche verschiedene soziale Rollen und Werte explorieren, um eine kohärente Selbstwahrnehmung zu entwickeln.

  • Ziel: Identität vs. Rollenkonfusion.

2. Die Identitätsstadi nach James Marcia

Marcia erweiterte Eriksons Theorie und definierte vier Zustände der Identität, basierend auf den Kriterien Exploration (Auseinandersetzung mit Alternativen) und Verpflichtung (Festlegung auf Werte/Ziele):

Status Beschreibung
Diffuse Identität Keine Exploration, keine Verpflichtung; mangelnde Orientierung.
Übernommene Identität Verpflichtung ohne Exploration (meist Übernahme der Werte der Eltern).
Moratorium Aktive Exploration, aber noch keine festen Verpflichtungen (Aufschub).
Erarbeitete Identität Erfolgreiche Exploration führt zu stabilen, eigenen Verpflichtungen.

Dimensionen der Identität

Die moderne Psychologie betrachtet Identität nicht als statisch, sondern als einen lebenslangen, dynamischen Prozess:

  • Kontinuität:
    Das Gefühl, trotz körperlicher und situativer Veränderungen über die Zeit hinweg dieselbe Person zu bleiben.
  • Kohärenz:
    Das Erleben, dass verschiedene Teilbereiche des Selbst (z. B. Beruf, Privatleben, Hobbys) ein widerspruchsfreies Ganzes ergeben.
  • Authentizität:
    Die Übereinstimmung zwischen dem inneren Erleben und dem äußeren Verhalten.

Die Rolle der Sozialen Identität

Nach der Sozialen Identitätstheorie (SIT) von Tajfel und Turner definieren wir uns maßgeblich über die Gruppen, denen wir angehören (Nationalität, Beruf, Religion). Dies stärkt das Selbstwertgefühl, führt jedoch häufig zur Aufwertung der eigenen Gruppe (In-Group) und Abwertung von Fremdgruppen (Out-Group).