Interaktion

In der Psychologie beschreibt Interaktion (oder soziale Interaktion) das Geschehen zwischen zwei oder mehr Personen, die wechselseitig aufeinander reagieren. Es geht also nicht nur darum, dass Person A etwas tut, sondern wie Person B darauf antwortet und wie dies wiederum Person A beeinflusst.

Grundmerkmale der Interaktion

Interaktion ist ein dynamischer Prozess, der durch drei wesentliche Faktoren geprägt wird:

  • Wechselseitigkeit (Reziprozität):
    Das Verhalten einer Person ist sowohl Reaktion auf das Gegenüber als auch Reiz für die nächste Handlung.
  • Kommunikation:
    Interaktion findet fast immer über verbale (Sprache) und nonverbale (Mimik, Gestik, Tonfall) Kanäle statt.
  • Erwartungen:
    Wir interagieren basierend auf dem, was wir glauben, dass der andere tun wird (Antizipation).

Theoretische Perspektiven

Verschiedene psychologische Schulen betrachten Interaktion aus unterschiedlichen Winkeln:

Symbolischer Interaktionismus

Nach George Herbert Mead entstehen Sinn und Identität erst durch soziale Interaktion. Wir nutzen Symbole (meist Sprache), um Bedeutungen zu teilen. Wir lernen, die Rolle des anderen zu übernehmen („Role-taking“), um unser eigenes Handeln zu steuern.

Sozialer Austausch (Social Exchange Theory)

Diese Theorie (z. B. nach George Homans) sieht Interaktion als eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung. Menschen interagieren bevorzugt dann, wenn die soziale Belohnung (Anerkennung, Hilfe, Zuneigung) die Kosten (Zeit, Mühe) übersteigt.

Themenzentrierte Interaktion (TZI)

Ein Modell von Ruth Cohn, das oft in Gruppen verwendet wird. Es balanciert drei Faktoren aus:

  1. Ich: Die einzelne Person mit ihren Bedürfnissen.
  2. Wir: Die Gruppe und die Beziehungen untereinander.
  3. Es: Die Aufgabe oder das Sachthema.(Umrahmt wird das Ganze vom Globe, dem Umfeld/Kontext).

Formen der Interaktion

Interaktionen lassen sich nach ihrem Ziel und ihrer Struktur ordnen:

Form Beschreibung
Symmetrisch Die Partner sind gleichberechtigt (z. B. Freunde, Kollegen auf Augenhöhe).
Komplementär Die Partner ergänzen sich in ungleichen Positionen (z. B. Lehrer-Schüler, Arzt-Patient).
Kooperativ Man arbeitet gemeinsam an einem Ziel.
Kompetitiv Die Ziele widersprechen sich (Wettbewerb oder Konflikt).

Bedeutung für die Psyche

Interaktion ist für den Menschen essenziell. Fehlende oder gestörte Interaktion kann zu Einsamkeit, Depressionen oder sozialen Ängsten führen. Umgekehrt ist eine gelingende Interaktion die Basis für soziale Unterstützung und psychische Resilienz.