Deprivation

In der Psychologie beschreibt Deprivation den Zustand des Mangels, des Entzugs oder der Entbehrung von etwas Lebensnotwendigem. Dabei geht es nicht nur um materielle Dinge, sondern vor allem um psychische, soziale und sensorische Bedürfnisse.

Man unterscheidet in der Forschung verschiedene Formen, die jeweils massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die Persönlichkeitsentwicklung haben.

Formen der Deprivation

Emotionale und soziale Deprivation

Dies ist der Entzug von Zuwendung, Liebe und stabilen Bindungen. Besonders in der Kindheit hat dies verheerende Folgen (siehe Hospitalismus). Wenn ein Kind keine Resonanz auf seine emotionalen Bedürfnisse erfährt, kann es keine sichere Bindung aufbauen.

Sensorische Deprivation

Hierbei werden Sinnesreize (Licht, Geräusche, Tasten) fast vollständig ausgeschaltet.

Relative Deprivation

Dies ist ein Schlüsselbegriff der Sozialpsychologie. Es beschreibt nicht den absoluten Mangel, sondern das Gefühl, im Vergleich zu anderen benachteiligt zu sein.

  • Beispiel:
    Jemand verdient gut, ist aber unzufrieden, weil der Nachbar bei gleicher Arbeit deutlich mehr verdient. Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit ist oft ein stärkerer Motor für Wut und Protest als tatsächliche Armut.

Folgen von Deprivation (Beispiel: Kindheit)

Ein prominentes Forschungsfeld ist der Hospitalismus (René Spitz). Kinder, die zwar körperlich versorgt, aber emotional depriviert wurden (z. B. in Heimen mit zu wenig Personal), zeigten:

Psychologische Mechanismen der Verarbeitung

Wenn Menschen unter langanhaltender Deprivation leiden, entwickeln sie oft spezifische Abwehrmechanismen:

  1. Apathie:
    Das Individuum gibt auf (Erlernte Hilflosigkeit).
  2. Aggression:
    Der Mangel schlägt in Wut gegen die vermeintlich Verantwortlichen oder gegen Sündenböcke um.
  3. Regression:
    Ein Rückfall in kindliche Verhaltensmuster, um Schutz zu suchen.
Deprivationsart Fokus Mögliche Folge
Absolut Mangel an Nahrung, Schlaf, Schutz Physischer Verfall, Psychose
Emotional Mangel an Empathie, Bindung Bindungsangst, Depression
Relativ Vergleich mit Bezugsgruppen Soziale Unzufriedenheit, Neid, Protest