Altruismus

In der Psychologie bezeichnet Altruismus ein Verhalten, das darauf ausgerichtet ist, anderen Lebewesen zu helfen oder deren Wohlergehen zu fördern, ohne dass dabei ein offensichtlicher eigener Nutzen oder eine Gegenleistung erwartet wird.

Man spricht hier oft von prosozialem Verhalten, wobei Altruismus die „reinste“ Form davon darstellt, da die Motivation uneigennützig sein soll.

Die Kernfrage: Gibt es „echten“ Altruismus?

In der Forschung wird leidenschaftlich darüber debattiert, ob eine Handlung jemals völlig ohne Eigennutz sein kann. Man unterscheidet hier zwei Ansätze:

  • Empathie-Altruismus-Hypothese (Daniel Batson):
    Wenn wir starkes Mitgefühl (Empathie) für jemanden empfinden, helfen wir allein deshalb, um dessen Leid zu lindern. Der Fokus liegt ganz beim anderen.
  • Modell des Abbaus negativer Stimmung (Robert Cialdini):
    Wir helfen nur, weil wir das Leid anderer selbst als unangenehm empfinden. Helfen ist also ein Mittel, um unser eigenes schlechtes Gefühl („Ich kann das nicht mit ansehen“) loszuwerden.

Erklärungsansätze für altruistisches Verhalten

Warum helfen wir überhaupt? Die Psychologie und Biologie bieten verschiedene Modelle:

Evolutionäre Perspektive

  • Verwandtenselektion (Kin Selection):
    Wir helfen eher Menschen, mit denen wir genetisch verwandt sind, um das Überleben unserer eigenen Gene zu sichern.
  • Reziproker Altruismus:
    „Wie du mir, so ich dir.“ Wir helfen in der Erwartung, dass die Person oder die Gruppe uns in Zukunft ebenfalls unterstützen wird.

Sozialpsychologische Perspektive

  • Soziale Normen:
    Die Gesellschaft gibt vor, dass man helfen sollte (z. B. die Norm der sozialen Verantwortung).
  • Gerechtigkeit:
    Menschen helfen oft, um eine gefühlte Ungerechtigkeit in der Welt auszugleichen.

Faktoren, die Altruismus fördern oder hemmen

Ob jemand hilft, hängt nicht nur vom Charakter ab, sondern stark von der Situation:

  • Empathie:
    Die Fähigkeit, sich in die Lage des anderen zu versetzen, ist der stärkste Motor für Altruismus.
  • Stimmung:
    Menschen in guter Stimmung helfen eher („Feel-good, do-good“-Phänomen). Aber auch Schuldgefühle steigern die Hilfsbereitschaft extrem.
  • Der Bystander-Effekt:
    Ein bekanntes Hindernis. Je mehr Menschen anwesend sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Einzelne eingreift (Verantwortungsdiffusion).

Altruismus vs. Egoismus

Während der Egoist seinen Vorteil maximiert, nimmt der Altruist oft sogar Kosten oder Risiken auf sich (z. B. Zeitverlust, Geldspenden oder körperliche Gefahr). Dennoch zeigen Studien, dass altruistisches Handeln langfristig die eigene Lebenszufriedenheit steigert und das Stresslevel senkt.

Zusammenfassung

Altruismus ist die Brücke, die Individuen zu einer funktionierenden Gemeinschaft verbindet. Ob die Motivation nun „rein“ ist oder tief im Inneren doch ein kleines Belohnungsgefühl (Dopamin) wartet, ist für den Empfänger der Hilfe meist zweitrangig.