Klärung (KOP)

der Begriff „Klärung“ hat im Rahmen der Klärungsorientierten Psychotherapie (KOP), die maßgeblich von Rainer Sachse entwickelt wurde,  eine sehr spezifische und auch zentrale Bedeutung.

Es geht dabei nicht nur um ein einfaches „Verstehen“, sondern um das Explizieren von unbewussten oder impliziten Strukturen, die das Handeln und Fühlen eines Menschen steuern.

Um zu verstehen, was genau damit gemeint ist, müssen wir etwas tiefer einsteigen:

Vom Impliziten zum Expliziten

Klärung bedeutet, dass implizite Wissensstrukturen (Schemata) in explizites Wissen überführt werden.

  • Implizit:
    Der Patient spürt oft nur einen Leidensdruck oder reagiert in bestimmten Situationen immer gleich, ohne zu wissen, warum.
  • Explizit:
    Durch den Klärungsprozess erkennt der Patient: „Ich handele so, weil ich das tiefliegende Schema habe, nicht wichtig zu sein.“

Die Arbeit an Schemata

Im Zentrum stehen zwei Arten von Schemata, die geklärt werden müssen:

  • Selbstschemata:
    Was denke ich fundamental über mich selbst? (z. B. „Ich bin unfähig“).
  • Beziehungsschemata:
    Was erwarte ich von anderen? (z. B. „Andere werden mich früher oder später verlassen“).

Klärung von Motiven und Zielen

Ein wesentlicher Teil der Klärung ist das Aufdecken von Vermeidungs- und Annäherungszielen. Oft sind Menschen in einem Konflikt gefangen, weil sie ein Ziel verfolgen (z. B. Anerkennung), aber gleichzeitig ein Schema besitzen, das ihnen sagt, dass sie diese nie erreichen werden. Die Therapie klärt, welche „verdeckten Agenden“ das Verhalten steuern.

Der Prozess der „Vergegenwärtigung“

Klärung passiert in der KOP nicht rein intellektuell. Der Therapeut hilft dem Klienten, sich in eine Situation hineinzungsversetzen, bis die damit verbundenen Affekte und Schemata aktiviert sind. Erst wenn das Schema „heiß“ ist, kann es effektiv geklärt und verarbeitet werden.

Die Rolle des Therapeuten bei der Klärung

In der KOP nimmt der Therapeut eine aktiv-direktive Rolle ein. Er fungiert quasi als „Detektiv“ oder „Spiegel“, der:

  • Widersprüche aufzeigt.
  • Hypothesen über die zugrunde liegenden Schemata anbietet.
  • Den Fokus immer wieder auf die zentralen, schema-relevanten Punkte lenkt (Ein-Ebenen-Arbeit).

Wichtig: Klärung ist in der KOP die notwendige Voraussetzung für die anschließende Bearbeitung. Ohne dass dem Patienten klar ist, was ihn steuert, kann er sein Verhalten oder seine Bewertungsmuster nicht nachhaltig ändern.