Hebb’sche Lernregel
Die Hebb’sche Lernregel ist ein wichtiges Prinzip der Neuropsychologie und erklärt, wie Lernen auf zellulärer Ebene funktioniert. Sie wurde 1949 von dem kanadischen Psychologen Donald O. Hebb formuliert.
Kurz gefasst bedeutet sie: „Neurons that fire together, wire together“ (Neuronen, die gleichzeitig feuern, verbinden sich).
Das Kernprinzip
Hebb postulierte, dass die Verbindung zwischen zwei Neuronen (Nervenzellen) dann verstärkt wird, wenn beide Zellen zur gleichen Zeit aktiv sind.
- Aktivierung:
Neuron A ist an der Erregung von Neuron B beteiligt. - Wiederholung:
Dieser Vorgang findet wiederholt oder dauerhaft statt. - Metabolische Veränderung:
Es finden chemische und strukturelle Prozesse an der Synapse statt, die die Effizienz der Übertragung erhöhen.
Biologische Umsetzung: Die Langzeitpotenzierung (LTP)
Was Hebb theoretisch vorhersagte, konnte später biologisch als Langzeitpotenzierung (LTP) nachgewiesen werden. Dabei passiert Folgendes:
- Die präsynaptische Zelle schüttet mehr Neurotransmitter aus.
- Die postsynaptische Zelle baut mehr Rezeptoren (Andockstellen) auf.
- Die physikalische Verbindung wird „breiter“ und die Reizübertragung schneller.
Psychologische Bedeutung: Warum ist das wichtig?
Die Hebb’sche Regel erklärt, wie komplexe psychologische Phänomene entstehen:
- Konditionierung:
Wenn der Anblick eines Hundes (Reiz 1) zeitgleich mit einem schmerzhaften Biss (Reiz 2) auftritt, feuern die entsprechenden Neuronenverbände gleichzeitig. Die Verbindung wird so stark, dass später der bloße Anblick des Hundes die „Angst-Neuronen“ mitfeuert. - Gewohnheiten:
Je öfter wir eine Handlung in einem bestimmten Kontext ausführen, desto automatisierter wird die neuronale Bahn. Das Gehirn optimiert den Energieaufwand (vgl.: Habituation). - Lernen durch Assoziation:
Wir merken uns Vokabeln besser, wenn wir sie mit einem Bild verknüpfen – zwei neuronale Netze werden gleichzeitig aktiviert und verknüpfen sich.
Relevanz für die Therapie
In der Psychotherapie nutzen wir dieses Prinzip zur Umstrukturierung:
Um ein altes, dysfunktionales Schema zu schwächen, müssen neue, funktionale Bahnen so oft „befeuert“ werden, bis sie die alten Verbindungen dominieren. Da die alten Bahnen bei Nichtbenutzung schwächer werden (LTD – Langzeitdepression), verändert sich das Gehirn physisch.