Lageorientierung
In der Psychologie beschreibt der Begriff Lageorientierung der Zustand, in dem eine Person ihre Aufmerksamkeit auf die Analyse der gegenwärtigen Situation (die „Lage“), vergangene Misserfolge oder Zukunftsängste richtet, anstatt aktiv zu handeln.
Das Konzept wurde von Julius Kuhl in den 1980er Jahren im Rahmen seiner Handlungskontrolltheorie eingeführt.
Sie stellt das Hindernis zur Handlungsorientierung dar und blockiert oft die Umsetzung von Absichten.
Die drei Formen der Lageorientierung
Analog zur Handlungsorientierung zeigt sich die Lageorientierung in drei spezifischen Bereichen:
- Zögerliche Lageorientierung (AOK-L):
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Man kann sich nicht entscheiden oder findet den Einstieg in eine Aufgabe nicht. Man denkt ständig darüber nach, was man eigentlich tun sollte, ohne anzufangen.
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- Grübelnde Lageorientierung (HOM-L):
- Tritt meist nach Misserfolgen oder Fehlern auf. Die Gedanken kreisen ständig darum, warum etwas schiefgelaufen ist. Diese „Gedankenschleifen“ verhindern, dass man sich neuen Aufgaben zuwendet.
- Prospektive Lageorientierung (HOP-L):
Ursachen und Mechanismen
Lageorientierung ist oft eine Folge von unvollständiger Emotionsregulation. Der Betroffene schafft es in diesem Moment nicht, negative Affekte (wie Angst, Frustration oder Enttäuschung) aktiv abzubauen.
- Kognitive Blockade:
Die Arbeitsgedächtnis-Kapazität wird durch das Grübeln besetzt. Es bleibt kaum Raum für die Planung von Schritten zur Problemlösung. - Fremdbestimmung:
Lageorientierte Menschen neigen eher dazu, Ziele anderer zu übernehmen (Aussenorientierung / „Introjektion“), da sie den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen und Werten unter Stress verlieren.
Vergleich: Lage vs. Handlung
| Merkmal | Lageorientierung | Handlungsorientierung |
| Fokus | Vergangenheit / Zustand / „Warum?“ | Zukunft / Lösung / „Wie?“ |
| Energie | Blockiert durch Grübeln | Fließt in die Umsetzung |
| Nach Fehlern | Lange Phase der Demotivation | Schnelle Rückkehr zur Aufgabe |
| Entscheidung | Abwarten und Zögern | Zügiges Festlegen |
Ist Lageorientierung immer schlecht?
Nicht zwingend. In Phasen, in denen eine tiefe Analyse oder Reflexion notwendig ist, kann ein gewisses Maß an Lageorientierung helfen, Fehler nicht zu wiederholen. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie „chronisch“ wird und die betroffene Person unfähig macht, notwendige Veränderungen in ihrem Leben einzuleiten.