Rubikon-Modell

Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen (entwickelt von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer) ist ein Klassiker der Motivationspsychologie. Es beschreibt den Weg vom bloßen Wünschen hin zum tatsächlichen Handeln und dem Abschluss einer Aufgabe.

Der Name leitet sich vom Fluss Rubikon ab: Als Julius Cäsar ihn überquerte, gab es kein Zurück mehr („Die Würfel sind gefallen“). Im Modell markiert dieser „Point of No Return“ den Übergang vom Wählen zum Wollen.

Die vier Phasen des Modells

Das Modell unterteilt eine Handlung in einen zeitlichen Ablauf vor, während und nach der Tat:

Phase Modus Ziel Kernprozess
1. Abwägen (Prädezisional) Motivation Auswahl Wünsche werden bewertet (Lohnt es sich? Ist es machbar?).
(Der Rubikon) Entschluss Intentionsbildung Man geht eine Verpflichtung ein. Der Wunsch wird zum Ziel.
2. Planen (Präaktional) Volition Vorbereitung Wann, wo und wie fange ich an? (Bildung von Vorsätzen).
3. Handeln (Aktional) Volition Zielerreichung Die tatsächliche Durchführung und Anstrengung.
4. Bewerten (Postaktional) Motivation Reflexion Abgleich: Wurde das Ziel erreicht? Was lerne ich daraus?

Der entscheidende Unterschied: Motivation vs. Volition

Ein zentraler Aspekt des Modells ist die Unterscheidung zwischen diesen beiden Zuständen:

  • Motivation (Phase 1 & 4):
    Hier bist du „offen“. Du wägst Informationen neutral ab, suchst nach Vor- und Nachteilen und bewertest Ergebnisse.
  • Volition / Willenskraft (Phase 2 & 3):
    Sobald der Rubikon überschritten ist, verändert sich der Fokus. Das Gehirn schaltet auf „Scheuklappen“ um. Zweifel werden ausgeblendet, um die Energie voll auf die Umsetzung zu konzentrieren.

Warum ist das Modell nützlich?

Es hilft zu verstehen, warum Menschen oft bei Vorsätzen scheitern:

  1. Vielwisserei ohne Handeln:
    Man bleibt ewig im „Abwägen“ stecken (Prokrastination).
  2. Mangelnde Planung:
    Man überschreitet den Rubikon, hat aber keine konkrete Strategie für Phase 2, wodurch man bei den ersten Hindernissen in Phase 3 (Handeln) scheitert.