Prosoziales Verhalten

Prosoziales Verhalten (auch Prozozialität) ist ein Oberbegriff in der Sozialpsychologie für alle Handlungen, die mit der Absicht ausgeführt werden, das Wohlergehen einer anderen Person oder einer Gruppe zu verbessern.

Es ist wichtig zu verstehen, dass prosoziales Verhalten das „Was“ beschreibt (die Handlung), während Begriffe wie Altruismus eher das „Warum“ (die Motivation) erklären.

Abgrenzung der Begriffe

Oft werden prosoziales Verhalten, Altruismus und Helfen synonym verwendet, aber es gibt feine Unterschiede:

  • Hilfeverhalten:
    Jede Handlung, die einem anderen einen Vorteil verschafft (kann auch professionell sein, z. B. ein Arzt).
  • Prosoziales Verhalten:
    Hilfeverhalten, das freiwillig erfolgt und eine positive soziale Konsequenz hat.
  • Altruismus:
    Eine Unterform des prosozialen Verhaltens, bei der man hilft, ohne einen eigenen Vorteil zu erwarten – oft sogar unter Inkaufnahme von eigenen Kosten.

Warum verhalten wir uns prosozial?

Die Psychologie bietet verschiedene Erklärungsmodelle an, warum Menschen Energie für andere aufwenden:

Evolutionäre Ansätze

  • Verwandtenselektion:
    Wir helfen eher Menschen, die unsere Gene teilen.
  • Reziprozitätsnorm:
    Die Erwartung, dass wir durch unsere Hilfe eine „Gutschrift“ für die Zukunft erwerben („Eine Hand wäscht die andere“).

Individuelle Motive

  • Empathie:
    Das Mitfühlen mit der Notlage anderer ist der stärkste interne Motor.
  • Mood-Maintenance (Stimmungsmanagement):
    Wir helfen, um unsere gute Laune zu behalten oder eine schlechte Stimmung (z. B. Schuldgefühle) abzubauen.
  • Soziale Anerkennung:
    Das Streben nach einem positiven Ruf innerhalb einer Gruppe.

Die Stufen zum prosozialen Handeln

Damit es überhaupt zu einer Handlung kommt, müssen nach dem Modell von Latané und Darley mehrere Hürden genommen werden (vgl.: Bystander-Effekt):

  1. Ereignis bemerken:
    Man muss die Situation überhaupt registrieren.
  2. Interpretation:
    Man muss erkennen, dass Hilfe benötigt wird.
  3. Verantwortung:
    Man muss sich persönlich zuständig fühlen (Verantwortungsdiffusion verhindern).
  4. Kompetenz:
    Man muss glauben, helfen zu können.
  5. Entscheidung:
    Die bewusste Wahl, jetzt einzugreifen.

Faktoren, die prosoziales Verhalten beeinflussen

Ob wir helfen, hängt von der Person und der Situation ab:

  • Person:
    Menschen mit hoher Empathiefähigkeit oder einem starken Gerechtigkeitssinn handeln eher prosozial.
  • Situation:
    Zeitdruck verringert die Hilfsbereitschaft massiv (bekannt durch das „Guter Samariter“-Experiment).
  • Ähnlichkeit:
    Wir helfen eher Menschen, die uns ähnlich sehen oder ähnliche Werte teilen (In-Group-Favorisierung (vgl.: Soziale Identitätstheorie)).

Abgrenzung: Prosozial vs. Antisozial

Man kann sich beide Konzepte als Endpunkte eines Kontinuums vorstellen:

Merkmal Prosoziales Verhalten Antisoziales Verhalten
Ziel Wohlergehen anderer Eigener Vorteil / Ausbeutung
Empathie Hoch (Mitfühlen) Niedrig bis fehlend
Normen Einhaltung & Unterstützung Verletzung & Missachtung
Soziale Folge Integration & Bindung Isolation oder Konflikt

Zusammenfassung

Prosoziales Verhalten ist der „Klebstoff“ der Gesellschaft. Es umfasst alles vom einfachen Aufhalten einer Tür bis hin zu riskanten Rettungsaktionen. Entscheidend ist dabei meist die Kombination aus Empathie und der Wahrnehmung von persönlicher Verantwortung.