Sozialpsychologie
Die Sozialpsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie, die untersucht, wie die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von Individuen durch die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer Menschen beeinflusst werden.
Kurz gesagt: Es geht darum, wie wir uns gegenseitig beeinflussen und wie wir soziale Situationen wahrnehmen.
Die drei zentralen Bereiche der Sozialpsychologie
Die Forschung lässt sich grob in drei Perspektiven unterteilen:
Intrapersonelle Prozesse (Das Individuum in der Gruppe)
Hier wird untersucht, was in einer Person vorgeht, wenn sie mit anderen konfrontiert wird.
- Soziale Wahrnehmung:
Wie bilden wir uns eine Meinung über andere? (z. B. der Erste Eindruck). - Einstellungen:
Wie entstehen Vorurteile oder Stereotype? - Selbstkonzept:
Wie definieren wir uns über unsere Gruppenzugehörigkeit?
Interpersonelle Prozesse (Zwischen zwei Personen)
Der Fokus liegt auf der Interaktion zwischen Individuen.
- Attraktion:
Warum finden wir manche Menschen sympathisch und andere nicht? - Prosoziales Verhalten:
Warum helfen wir anderen (Altruismus)? - Aggression:
Wie entsteht zwischenmenschliche Gewalt?
Intragruppale & Intergruppale Prozesse (Gruppendynamik)
Wie verhalten sich Menschen als Teil einer Gruppe oder wie interagieren Gruppen untereinander?
- Konformität:
Warum passen wir uns der Meinung einer Mehrheit an (Gruppenzwang)? - Gehorsam:
Warum folgen wir Autoritäten (siehe Milgram-Experiment)? - Gruppenleistung:
Arbeiten wir im Team besser oder schlechter (Social Loafing vs. Social Facilitation)?
Zentrale Theorien und Phänomene
- Kognitive Dissonanz (Festinger):
Das unangenehme Gefühl, wenn unser Verhalten nicht mit unseren Überzeugungen übereinstimmt (z. B. Rauchen, obwohl man weiß, dass es schädlich ist). - Fundamentaler Attributionsfehler:
Die Tendenz, das Verhalten anderer auf deren Charakter zu schieben („Er ist unpünktlich, weil er faul ist“), während wir unser eigenes Verhalten mit der Situation entschuldigen („Ich bin spät dran, weil die Bahn Verspätung hatte“). - Soziale Identitätstheorie (Tajfel):
Wir neigen dazu, unsere eigene Gruppe („In-Group“) aufzuwerten und andere Gruppen („Out-Group“) abzuwerten, um unser Selbstwertgefühl zu steigern.
Warum ist Sozialpsychologie wichtig?
Sie hilft uns zu verstehen, warum Menschen in Massen anders handeln als alleine. Phänomene wie der Bystander-Effekt oder die Verantwortungsdiffusion zeigen, dass wir oft weniger von unserem Charakter als vielmehr von der sozialen Situation gesteuert werden.
Zusammenfassung
In der Sozialpsychologie gilt das Motto: „Die Situation ist mächtiger als die Person.“ Unser Verhalten ist oft ein direktes Produkt des sozialen Umfelds, in dem wir uns gerade befinden.