Antisozialität

In der Psychologie beschreibt Antisozialität (oder antisoziales Verhalten) Verhaltensmuster, die die Rechte anderer missachten, soziale Normen verletzen und oft durch einen Mangel an Empathie oder Verantwortungsbewusstsein gekennzeichnet sind.

Es ist wichtig, Antisozialität von Asozialität abzugrenzen: Während „asozial“ im psychologischen Sinne eher ein Desinteresse an sozialen Kontakten meint (Rückzug), beschreibt „antisozial“ ein aktives Handeln gegen die Regeln der Gesellschaft.

Merkmale antisozialen Verhaltens

Antisozialität äußert sich nicht immer durch Gewalt. Sie umfasst ein breites Spektrum an Verhaltensweisen:

Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung (APS)

In der klinischen Psychologie wird die extreme, chronische Form als Persönlichkeitsstörung klassifiziert (nach ICD-10/11 oder DSM-5).

  • Diagnose:
    Sie wird meist erst ab dem 18. Lebensjahr diagnostiziert, wobei Verhaltensauffälligkeiten oft schon im Kindes- oder Jugendalter (als „Störung des Sozialverhaltens“) auftreten müssen.
  • Psychopathie vs. APS:
    Psychopathie gilt oft als eine besonders schwere Unterform der APS, die zusätzlich durch emotionale Kälte, oberflächlichen Charme und extreme Furchtlosigkeit charakterisiert ist.

Ursachen und Entstehung

Die Psychologie geht von einem biopsychosozialen Modell aus:

  1. Biologische Faktoren:
    Studien zeigen oft eine geringere Aktivität im präfrontalen Cortex (zuständig für Impulskontrolle) und eine veränderte Reaktion der Amygdala (Empathie/Angstverarbeitung).
  2. Frühe Bindungserfahrungen:
    Wie wir aus Bindungstheorie wissen, können desorganisierte Bindungsmuster oder emotionale Vernachlässigung die Entwicklung von Empathie erschweren.
  3. Soziales Umfeld:
    Ein Umfeld, in dem antisoziales Verhalten vorgelebt oder durch mangelnde Konsequenzen verstärkt wird, begünstigt die Ausprägung.

Abgrenzung: Prosozial vs. Antisozial

Man kann sich beide Konzepte als Endpunkte eines Kontinuums vorstellen:

Merkmal Prosoziales Verhalten Antisoziales Verhalten
Ziel Wohlergehen anderer Eigener Vorteil / Ausbeutung
Empathie Hoch (Mitfühlen) Niedrig bis fehlend
Normen Einhaltung & Unterstützung Verletzung & Missachtung
Soziale Folge Integration & Bindung Isolation oder Konflikt

Warum ist das wichtig?

Das Verständnis von Antisozialität hilft der Psychologie, Präventionsprogramme zu entwickeln – besonders in der Jugendarbeit, um frühzeitig gegenzusteuern, bevor sich Verhaltensmuster chronifizieren.