Soziopathie

In der modernen klinischen Psychologie ist Soziopathie kein offizieller Diagnosebegriff mehr. Stattdessen wird sie unter der Antisozialen Persönlichkeitsstörung (APS) eingeordnet. Dennoch wird der Begriff in der Forschung und Kriminologie oft verwendet, um ein bestimmtes Verhaltensmuster abzugrenzen, das stark durch das soziale Umfeld geprägt ist.

Hier ist die psychologische Einordnung der Soziopathie:

Soziopathie vs. Psychopathie

Obwohl beide Begriffe oft synonym gebraucht werden, unterscheiden Psychologen sie meist durch die Entstehungsgeschichte:

  • Soziopathie (Umweltbedingt):
    Es wird angenommen, dass soziopathische Züge eher durch ein schwieriges soziales Umfeld, Traumata oder Vernachlässigung in der Kindheit entstehen. Soziopathen sind oft impulsiv und unberechenbar.
  • Psychopathie (Angeboren/Biologisch):
    Hier liegt der Fokus stärker auf biologischen Faktoren (z. B. eine unteraktive Amygdala). Psychopathen wirken oft charmant, kühl und kalkulierend.

Kernmerkmale der Soziopathie

Ein Mensch mit soziopathischen Zügen zeigt meist folgende Verhaltensweisen:

  • Geringe Impulskontrolle:
    Handlungen erfolgen oft spontan aus einer Laune oder Wut heraus, ohne an Konsequenzen zu denken.
  • Schwierigkeit bei Bindungen:
    Im Gegensatz zu Psychopathen können Soziopathen durchaus emotionale Bindungen zu einzelnen Personen (z. B. Familienmitgliedern) aufbauen, missachten aber die Rechte der Gesellschaft als Ganzes.
  • Reizbarkeit und Aggression:
    Konflikte werden oft physisch oder verbal aggressiv ausgetragen.
  • Mangelndes Unrechtsbewusstsein:
    Sie empfinden wenig Reue für ihre Taten, können diese aber im Gegensatz zu Psychopathen manchmal rational begründen oder sich der moralischen Normen zumindest bewusst sein (auch wenn sie diese ignorieren).

Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung (Klinische Sicht)

Da „Soziopathie“ im Diagnosemanual (wie dem DSM-5) nicht vorkommt, stützt sich die Diagnose der APS auf beobachtbare Verhaltensweisen:

  1. Wiederholtes Begehen von Straftaten.
  2. Falschheit (Lügen, Decknamen, Betrug zum eigenen Vorteil).
  3. Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen.
  4. Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Sicherheit oder der anderer.
  5. Konsequente Verantwortungslosigkeit (z. B. finanzielle Verpflichtungen nicht erfüllen).

Ursachen und Therapie

Die Psychologie sieht Soziopathie als Ergebnis einer Fehlentwicklung:

Zusammenfassung

Soziopathie beschreibt ein antisoziales Muster, das stark mit der Biografie und dem sozialen Umfeld eines Menschen verknüpft ist. Es ist das Bild einer Person, die „gegen die Gesellschaft“ kämpft, oft getrieben durch mangelnde Impulskontrolle.