Integrität
In der Psychologie beschreibt Integrität die Übereinstimmung zwischen den inneren Werten, Überzeugungen und dem tatsächlichen Handeln einer Person. Ein integres Individuum handelt nach seinen moralischen Prinzipien, auch wenn dies mit Nachteilen verbunden sein könnte.
Ebenen der Integrität
In der psychologischen Forschung wird Integrität auf zwei Ebenen betrachtet:
- Personale Integrität (Ganzheit):
Das Gefühl, „aus einem Guss“ zu sein. Es gibt keine tiefen Brüche zwischen dem, was man denkt, fühlt und tut. Das Gegenteil wäre eine chronische Selbstverleugnung oder Fragmentierung. - Moralische Integrität:
Die Beständigkeit der eigenen ethischen Werte. Man bleibt sich selbst treu und ist unbestechlich in seinen Grundwerten.
Die Entwicklungspsychologische Sicht (Erikson)
Ein zentrales Konzept der Entwicklungspsychologie stammt von Erik Erikson. In seinem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung beschreibt er die letzte Lebensphase als den Konflikt zwischen Ich-Integrität vs. Verzweiflung.
- Ich-Integrität:
Die Fähigkeit, auf das eigene Leben zurückzublicken und es als sinnvoll und „ganz“ zu akzeptieren – inklusive aller Fehler und verpassten Chancen. - Verzweiflung:
Tritt ein, wenn das Leben als eine Reihe von Fehlentscheidungen wahrgenommen wird und die Zeit fehlt, dies zu korrigieren.
Die psychische Integrität (Schutzraum)
In der klinischen Psychologie und Psychotherapie spricht man oft von der Wahrung der psychischen Integrität. Dies beschreibt den Schutz der inneren Grenzen eines Menschen.
- Verletzung der Integrität:
Durch Gewalt, Missbrauch oder Grenzüberschreitungen wird dieser Schutzraum zerstört. Das Opfer erlebt eine „Zerstörung des Selbst“. - Wiederherstellung:
In der Therapie von Gewaltopfern ist die Wiederherstellung der Integrität das oberste Ziel. Der Patient soll wieder die Kontrolle über sein „inneres Haus“ erlangen.
Integrität vs. Konformität
Ein spannungsreiches Feld ist der Gegensatz zwischen Integrität und sozialer Anpassung (Konformität):
- Konformität:
Man passt sein Verhalten der Gruppe an, um dazuzugehören, auch wenn man die Werte der Gruppe nicht teilt. - Integrität:
Man bleibt bei seinen Werten, auch wenn man dadurch zum Außenseiter wird oder Widerstand erfährt.
Zusammenfassend verleiht Integrität der Psyche Stabilität und inneren Frieden, da sie durch die Übereinstimmung von Werten und Taten belastende Selbstanteile minimiert und das Gefühl von Kohärenz sowie Selbstachtung stärkt.