Authentizität
In der Psychologie beschreibt Authentizität (Echtheit) das Ausmaß, in dem das äußere Verhalten eines Menschen mit seinem inneren Erleben (Gefühlen, Werten, Überzeugungen) übereinstimmt. Es geht um die „Echtheit“ einer Person.
Während Integrität eher die moralische Standhaftigkeit betont, fokussiert Authentizität auf die Übereinstimmung mit dem wahren Selbst.
Die drei Komponenten der Authentizität
Nach dem Modell der Psychologen Kernis und Goldman (2006) setzt sich Authentizität aus vier Kernbereichen zusammen:
- Bewusstsein (Awareness):
Die Kenntnis der eigenen Motive, Gefühle und Werte. Wer sich selbst nicht kennt, kann nicht authentisch sein. - Unvoreingenommene Verarbeitung:
Die Fähigkeit, sowohl positive als auch negative Informationen über die eigene Person objektiv zu betrachten (statt Fehler zu verleugnen). - Verhalten:
Handeln im Einklang mit den eigenen Werten, statt nur soziale Erwartungen zu erfüllen. - Beziehungsorientierung:
Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber engen Bezugspersonen, statt eine „Maske“ zu tragen.
Authentizität in der Psychotherapie
Einer der wichtigsten Wegbereiter des Begriffs war Carl Rogers (Klientenzentrierte Psychotherapie). Er nannte Authentizität Kongruenz.
- Kongruenz:
Das Selbstbild und das tatsächliche Erleben stimmen überein. Der Mensch ist „echt“. - Inkongruenz:
Es klafft eine Lücke zwischen dem, was ein Mensch fühlt, und dem, was er nach außen zeigt. Dies führt laut Rogers zu Angst und psychischen Spannungen.
Authentizität vs. Antisozialität
In der modernen Forschung wird davor gewarnt, Authentizität als „Freibrief“ für rücksichtsloses Verhalten zu missverstehen.
- Authentizität vs. Soziale Kompetenz:
„Ich bin halt so“ wird oft als Ausrede genutzt, um an antisozialem Verhalten festzuhalten. - Der „True Self“-Mythos:
Die Psychologie diskutiert heute, ob es überhaupt ein einzelnes „wahres Selbst“ gibt oder ob wir verschiedene, kontextabhängige Identitäten haben, die alle authentisch sein können.
Zusammenfassung: Authentizität beschreibt die psychische Kongruenz, bei der das äußere Verhalten eines Menschen unmittelbar sein inneres Erleben widerspiegelt, was als Voraussetzung für echte Beziehungen und persönliches Wohlbefinden gilt.