Ich-Dystonie
In der Psychologie und Psychiatrie beschreibt der Begriff Ich-Dystonie einen Zustand, in dem eine Person ihre eigenen Gedanken, Impulse oder Verhaltensweisen als fremd, störend oder nicht zu ihrer Persönlichkeit gehörig empfindet.
Das Individuum erlebt diese Anteile als Belastung und steht im inneren Konflikt mit ihnen. Das Gegenteil davon ist die Ich-Syntonie.
Merkmale der Ich-Dystonie
Wenn ein Symptom ich-dyston ist, löst es Leidensdruck aus. Die betroffene Person denkt: „Das bin nicht ich“ oder „Ich will das nicht denken/tun, aber es passiert trotzdem.“
- Wahrnehmung:
Das Verhalten wird als „Fehler im System“ oder als Krankheit erkannt. - Emotion:
Es entstehen oft Angst, Scham oder Schuldgefühle. - Veränderungswunsch:
Die Motivation, etwas gegen das Symptom zu unternehmen, ist meist sehr hoch (hoher Leidensdruck).
Beispiele aus der Praxis
| Störungsbild | Erleben (Ich-dyston) |
| Zwangsstörung | Jemand hat den Drang, 50-mal die Hände zu waschen. Er weiß, dass es unsinnig ist und hasst es, tut es aber gegen seinen Willen. |
| Angststörungen | Die Person erkennt, dass die Angst vor einer Spinne unbegründet ist, kann die Reaktion aber nicht abstellen. |
| Ich-dystone Sexualorientierung | Jemand empfindet eine sexuelle Neigung, die im krassen Widerspruch zu seinen moralischen Werten steht (früher oft im Kontext von Homosexualität in repressiven Gesellschaften diagnostiziert). |
Abgrenzung: Ich-Dystonie vs. Ich-Syntonie
Diese Unterscheidung ist für die Therapie entscheidend:
- Ich-Dyston:
„Ich wasche mir ständig die Hände und leide darunter, weil es Quatsch ist.“ (Typisch für Zwangsstörungen) - Ich-Synton:
„Es ist völlig richtig, dass ich mir so oft die Hände wasche, die Welt ist schließlich dreckig.“ (Typisch für Zwanghafte Persönlichkeitsstörungen oder Wahn)
Bedeutung für die Therapie
Die Ich-Dystonie ist paradoxerweise oft ein gutes Zeichen für den Therapieerfolg:
- Krankheitseinsicht:
Da die Person das Problem als „fremd“ erkennt, ist die Realitätsprüfung intakt. - Mitarbeit (Adhärenz):
Der Patient kämpft zusammen mit dem Therapeuten gegen das Symptom. - Bündnis:
Es fällt leichter, eine therapeutische Allianz aufzubauen, da das Ziel klar definiert ist: Das störende Element soll weg.
Zusammenfassung
Ich-Dystonie ist das Erleben psychischer Phänomene als dem eigenen Selbst fremd und unvereinbar, was zu einem hohen Leidensdruck und dem bewussten Wunsch nach Veränderung führt.