Xenophobie
In der Psychologie beschreibt Xenophobie (von griechisch xenos „Fremder“ und phobos „Angst/Furcht“) die Ablehnung, Ausgrenzung oder Furcht gegenüber Menschen, die als „fremd“ oder „andersartig“ wahrgenommen werden.
Während der Begriff im Alltag oft politisch als „Fremdenfeindlichkeit“ genutzt wird, untersucht die Psychologie vor allem die zugrunde liegenden Mechanismen der Wahrnehmung und Gruppenbildung.
Psychologische Erklärungsansätze
Die „In-Group vs. Out-Group“-Dynamik (Soziale Identitätstheorie)
Nach der Theorie von Henri Tajfel neigen Menschen dazu, ihre eigene Gruppe (In-Group) aufzuwerten und andere Gruppen (Out-Group) abzuwerten. Dies dient der Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls. Xenophobie entsteht hier als extremer Mechanismus der Abgrenzung.
Das Konzept der Urangst
Einige Ansätze sehen in der Xenophobie ein evolutionäres Überbleibsel. In der Frühgeschichte war Vorsicht gegenüber fremden Gruppen überlebenswichtig. Das Gehirn (insbesondere die Amygdala) reagiert auf das „Unbekannte“ oft zuerst mit einem Warnsignal (Angst), bevor die kognitive Realitätsprüfung einsetzt.
Xenophobie vs. Rassismus
Xenophobie wird im Alltag oft mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gleichgesetzt, wobei eine Unterscheidung aber wichtig ist.
- Xenophobie:
Richtet sich gegen das Fremde an sich (Herkunft, Kultur, Unbekanntheit). Sie ist oft angstbasiert. - Rassismus:
Basiert auf der Ideologie einer hierarchischen Überlegenheit und konstruiert biologische oder wesensmäßige Unterschiede. Er ist oft machtbasiert.
Die Rolle der Vorurteile
Xenophobie wird durch Stereotype genährt. Wenn die Realitätsprüfung versagt oder durch Konformität (Gruppendruck) ersetzt wird, verfestigen sich diese Ängste zu Hass oder Diskriminierung.
Psychologische Abwehrmechanismen
Oft wird Xenophobie durch Projektion verstärkt: Eigene negative Anteile oder Ängste (z. B. Angst vor wirtschaftlichem Abstieg) werden auf „die Fremden“ projiziert, um sich selbst nicht damit befassen zu müssen.
Wie kann man Xenophobie abbauen?
Die Kontakthypothese nach Gordon Allport (1954) ist einer der am besten belegten Wege, um Xenophobie und Vorurteile psychologisch abzubauen. Die Kernidee: Kontakt zwischen Gruppen reduziert Spannungen.
Damit Kontakt aber wirklich Xenophobie abbaut, müssen laut Allport vier Bedingungen erfüllt sein:
- Gleichberechtigter Status:
Die Gruppen müssen sich im Kontakt auf Augenhöhe begegnen. - Gemeinsame Ziele:
Man arbeitet zusammen an einer Aufgabe (Kooperation statt Wettbewerb). - Unterstützung durch Institutionen:
Offizielle Stellen (Gesetze, Regeln) müssen den Kontakt fördern. - Persönlicher Kontakt:
Es muss ein Austausch möglich sein, der es erlaubt, das Individuum hinter dem Vorurteil zu sehen.
Zusammenfassung
Xenophobie ist die psychologische Reaktion der Ablehnung oder Angst gegenüber als fremd wahrgenommenen Personen, die primär aus der Dynamik zwischen Eigen- und Fremdgruppe sowie der Projektion innerer Unsicherheiten resultiert.