Personalisierung

In der Psychologie beschreibt die Personalisierung eine kognitive Verzerrung, bei der eine Person äußere Ereignisse auf sich selbst bezieht, obwohl es dafür keine logische Grundlage gibt. Man nimmt Dinge „persönlich“, die eigentlich neutral, zufällig oder durch andere Faktoren bedingt sind.

Man sieht sich dabei oft als die Hauptursache für negative Ereignisse oder glaubt, dass sich das Verhalten anderer direkt auf einen selbst bezieht.

Kernmerkmale der Personalisierung

Die Personalisierung tritt meist in zwei Varianten auf:

1. Übernahme von falscher Verantwortung

Man macht sich für Ereignisse verantwortlich, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

  • Beispiel:
    Ein Projekt auf der Arbeit scheitert, weil das Budget gekürzt wurde. Du denkst: „Das ist passiert, weil ich letzte Woche einmal fünf Minuten zu spät kam.“
  • Beispiel:
    Ein Kind macht schlechte Erfahrungen in der Schule, und die Eltern denken: „Das liegt nur an meiner Erziehung“, obwohl Mobbing oder Lehrermangel die Ursachen sind.

2. Die „Referenz-Illusion“

Man glaubt, dass das Verhalten anderer eine direkte Reaktion auf die eigene Person ist.

  • Beispiel:
    Ein Bekannter grüßt dich auf der Straße nicht. Du denkst sofort: „Er ist sauer auf mich“, anstatt in Betracht zu ziehen, dass er seine Brille vergessen hat oder in Gedanken versunken war.
  • Beispiel:
    Jemand lacht in einer Gruppe, während du vorbeiläufst. Du bist überzeugt: „Die lachen über mein Outfit.“

Warum wir personalisieren

Psychologisch gesehen ist Personalisierung oft ein Nebenprodukt unseres Egozentrismus (nicht im Sinne von Arroganz, sondern als kognitive Sichtweise).

  • Kontrollbedürfnis:
    Es klingt paradox, aber sich „schuldig“ zu fühlen, gibt uns paradoxerweise ein Gefühl von Macht. Wenn ich schuld bin, hätte ich es verhindern können. Die Alternative – dass Dinge einfach zufällig und unkontrollierbar passieren – ist für viele Menschen beängstigender.
  • Geringes Selbstwertgefühl:
    Menschen mit einem instabilen Selbstwert scannen ihre Umwelt verstärkt nach Bestätigungen für ihre inneren Zweifel. Jedes neutrale Ereignis wird als Beweis für die eigene Unzulänglichkeit umgedeutet.
  • Mustererkennung (Apophenie):
    Das Gehirn versucht, Kausalitäten herzustellen. Die einfachste Verbindung in unserem Kopf ist oft die zwischen einem Ereignis und uns selbst, da wir unsere eigenen Gedanken 24/7 erleben.

Abgrenzung zu anderen Konzepten

Konzept Unterschied zur Personalisierung
Paranoia Personalisierung ist meist auf Schuld oder soziale Ablehnung bezogen; Paranoia beinhaltet die feste Überzeugung einer gezielten Verfolgung oder Schädigung.
Narzissmus Während der Personalisierer oft unter (negativer) Aufmerksamkeit leidet, sucht der Narzisst die Aufmerksamkeit aktiv und bezieht sie positiv auf seine Grandiosität.
Magisches Denken Eng verwandt. Personalisierung ist oft die Folge von magischem Denken (Gedanke X hat Ereignis Y verursacht).

Wie man Personalisierung durchbricht

In der Kognitiven Verhaltenstherapie nutzt man Techniken, um diesen „Tunnelblick“ zu weiten:

  • Die Drei-Spalten-Technik:
    • Ereignis:
      Kollege wirkt genervt.
    • Automatischer Gedanke:
      „Ich habe ihn bestimmt mit meiner Frage vorhin verärgert.“
    • Alternative Erklärungen:
      Er hat schlecht geschlafen, hat Stress mit seinem Chef, hat Kopfschmerzen.
  • Kuchendiagramm der Verantwortlichkeit:
    Man zeichnet einen Kreis und verteilt Tortenstücke für alle Faktoren, die zu einem negativen Ergebnis beigetragen haben könnten. Der eigene Anteil ist meist nur ein sehr schmales Stück.