Rebound-Effekt
In der Psychologie beschreibt der Rebound-Effekt (auch bekannt als Bumerang-Effekt oder ironischer Prozess) das Phänomen, dass der Versuch, bestimmte Gedanken, Gefühle oder Impulse aktiv zu unterdrücken, dazu führt, dass diese erst recht und mit verstärkter Intensität zurückkehren.
Bekannt wurde dies vor allem durch das „Eisbären-Experiment“ des US-amerikanischen Sozialpsychologen Daniel Wegner.
Der Mechanismus: Warum Unterdrückung scheitert
Daniel Wegners Theorie der ironischen Prozesse erklärt den Rebound-Effekt durch das Zusammenspiel zweier mentaler Vorgänge:
- Der operative Prozess (Suche nach Ablenkung):
Das Gehirn sucht aktiv nach Gedanken, die nichts mit dem unerwünschten Thema zu tun haben. Dieser Prozess ist anstrengend und verbraucht mentale Energie. - Der Monitor-Prozess (Überwachung):
Gleichzeitig scannt das Gehirn im Hintergrund unbewusst, ob der verbotene Gedanke doch auftaucht. Dieser Prozess läuft automatisch und ohne Anstrengung.
Der Clou: Sobald wir müde, gestresst oder abgelenkt sind, bricht der operative Prozess (die Ablenkung) zusammen. Der Monitor-Prozess aber läuft weiter und „präsentiert“ uns den verbotenen Gedanken nun besonders prominent, da er ihn die ganze Zeit im Fokus behalten musste, um ihn zu vermeiden.
Anwendungsbereiche in der Psychologie
Der Rebound-Effekt spielt in vielen klinischen Bereichen eine Rolle:
- Zwangsstörungen:
Je mehr ein Patient versucht, einen „unmoralischen“ oder angstbesetzten Gedanken zu vertreiben, desto häufiger drängt er sich auf. - Diäten / Essstörungen:
Das strikte Verbot, an Schokolade zu denken, erhöht das Verlangen (Craving) massiv, bis es im „Fressanfall“ gipfelt. - Schlafstörungen:
Der krampfhafte Versuch, nicht wach zu liegen und unbedingt einschlafen zu wollen, hält das Gehirn im Alarmzustand und verhindert den Schlaf. - Trauerarbeit:
Das Wegdrücken von Schmerz führt oft dazu, dass dieser nach Wochen oder Monaten mit voller Wucht (rebound) zurückkehrt.
Der Rebound-Effekt bei Medikamenten
In der klinischen Psychologie und Psychiatrie gibt es zudem den pharmakologischen Rebound-Effekt:
Beim plötzlichen Absetzen bestimmter Medikamente (z. B. Schlafmittel oder Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine) kehren die ursprünglichen Symptome (Angst, Schlaflosigkeit) oft viel stärker zurück, als sie vor der Einnahme waren. Der Körper hat seine Rezeptoren herunterreguliert und reagiert nun überempfindlich.
Strategien gegen den psychischen Rebound
Anstatt gegen Gedanken anzukämpfen, setzen moderne Therapieformen (wie die Akzeptanz- und Commitmenttherapie, ACT) auf das Gegenteil:
- Paradoxe Intention:
Man fordert sich bewusst auf, den Gedanken zu denken (z. B. „Ich werde jetzt 5 Minuten lang ganz intensiv an den Eisbären denken“). Das nimmt dem Gedanken den Druck. - Kognitive Defusion:
Man betrachtet Gedanken als das, was sie sind – bloße Worte oder Bilder im Kopf, keine Befehle oder Fakten. - Akzeptanz:
Die Erlaubnis, dass der Gedanke da sein darf, macht ihn für den Monitor-Prozess „unsichtbar“ und damit weniger wichtig.
Zusammenfassung: Wer einen Ball unter Wasser drückt, braucht viel Kraft. Lässt die Kraft nach, schießt der Ball über die Oberfläche hinaus. Wer den Ball einfach auf dem Wasser treiben lässt, verbraucht keine Energie und der Ball bleibt ruhig.