Externalisierung

In der Psychologie ist die Externalisierung eine therapeutische Technik (vor allem aus der Systemischen Therapie und der Narrativen Therapie), bei der ein inneres Problem, ein Symptom oder eine Eigenschaft als etwas Externes – also außerhalb der eigenen Identität liegend – betrachtet wird.

Der Grundgedanke lautet: „Die Person ist nicht das Problem, das Problem ist das Problem.“

Der Mechanismus: Identität vs. Entität

Normalerweise neigen wir zur Internalisierung: Wir sagen „Ich bin depressiv“ oder „Ich bin ein Angsthase“. Dadurch verschmilzt das Problem mit dem Selbstbild, was Scham erzeugt und die Handlungsfähigkeit einschränkt.

Bei der Externalisierung wird das Symptom zu einer eigenständigen Figur oder Kraft umgedeutet:

  • Internalisiert:
    „Meine Angst blockiert mich.“
  • Externalisiert:
    „Der ‚Angst-Wächter‘ versucht gerade, mich vor einem Risiko zu warnen, übertreibt es aber maßlos.“

Praktische Schritte der Externalisierung

  1. Benennung:
    Dem Problem wird ein Name gegeben (z. B. „Der graue Nebel“ für Depression, „Das fiese Plappern“ für den inneren Kritiker).
  2. Charakterisierung:
    Wie sieht das Problem aus? Welche Stimme hat es? Wann taucht es auf? Was sind seine Absichten?
  3. Distanzierung:
    Durch die Personifizierung entsteht Raum. Man kann nun mit dem Problem „verhandeln“ oder es beobachten, statt von ihm beherrscht zu werden.
  4. Einfluss-Umkehr:
    Man untersucht, wann man selbst stärker war als das Problem (die sogenannten „einzigartigen Resultate“).

Therapeutischer Nutzen

Vorteil Beschreibung
Entlastung Reduziert Schuldgefühle und Scham, da das Problem nicht mehr als Charakterfehler gesehen wird.
Handlungsfähigkeit Es ist leichter, gegen einen „externen Feind“ zu kämpfen oder eine „nervige Figur“ zu ignorieren, als gegen das eigene Ich.
Zusammenarbeit In Familien oder Paarbeziehungen kämpfen nicht mehr Personen gegeneinander, sondern verbünden sich gemeinsam gegen das externalisierte Problem.

Zusammenfassung: Externalisierung ist die bewusste Trennung der eigenen Identität von einem Problem oder Symptom, indem man dieses als eine eigenständige, äußere Kraft betrachtet, um wieder Handlungsspielraum und Distanz zu gewinnen.