Emotionsfokussierte Therapie (EFT)

Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) ist ein wissenschaftlich anerkannter humanistischer Psychotherapieansatz, der primär von Leslie Greenberg (fur die Einzeltherapie) und Sue Johnson (für die Paartherapie) entwickelt wurde. Ihr Kernsatz lautet: „Man kann ein Gefühl erst verlassen, wenn man darin angekommen ist.“

Das Grundprinzip: Emotionen als Kompass

Im Gegensatz zur Kognitiven Verhaltenstherapie, die oft bei den Gedanken ansetzt, betrachtet die EFT Emotionen als das fundamentale Steuerungssystem des Menschen. Emotionen liefern uns Informationen darüber, was wir brauchen, und bereiten uns auf Handlungen vor.

  • Ziel: Die Transformation von maladaptiven (nicht hilfreichen) Emotionen durch die Aktivierung von adaptiven (hilfreichen) Emotionen.

Die Klassifikation von Emotionen

In der EFT ist es entscheidend, die „Art“ der Emotion zu bestimmen, um die richtige Intervention zu wählen:

Emotions-Typ Beschreibung Beispiel
Primär adaptiv Die gesunde, erste Reaktion auf eine Situation. Trauer nach einem Verlust; Wut über eine Grenzüberschreitung.
Primär maladaptiv Gelernte, nicht hilfreiche Reaktionen, oft aus der Kindheit. Chronische Scham oder Angst, die in jeder Situation auftaucht.
Sekundär Reaktionen auf die eigentliche Primäremotion (Abwehr). Wut, um die dahinterliegende Verletzlichkeit/Angst zu kaschieren.
Instrumentell Emotionen, die eingesetzt werden, um andere zu beeinflussen. „Krokodilstränen“, um Mitleid zu erzeugen und Kontrolle zu gewinnen.

Der Prozess der Veränderung

Der therapeutische Prozess folgt einer klaren Logik:

  1. Wahrnehmung & Benennung:
    Zugang zu den eigenen Gefühlen finden (Achtsamkeit).
  2. Zulassen & Akzeptieren:
    Das Gefühl aushalten, ohne es sofort wegzudrücken.
  3. Transformation:
    Ein altes, schmerzhaftes Gefühl durch ein neues, kraftvolleres Gefühl ersetzen. Man nutzt beispielsweise die Energie von berechtigtem Ärger (Empowerment), um ein tiefes Gefühl von Wertlosigkeit zu überwinden.

Bekannte Techniken

  • Die Zwei-Stühle-Arbeit:
    Wird bei inneren Konflikten eingesetzt (z. B. der „innere Kritiker“ gegen den „erlebenden Teil“).
  • Die Leere-Stuhl-Arbeit:
    Dient der Klärung von ungelösten Konflikten mit bedeutenden Bezugspersonen (z. B. den Eltern), um „Unfinished Business“ abzuschließen.

Zusammenfassung: Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) ist ein humanistisches Therapieverfahren, das Emotionen als zentrales Element psychischer Veränderung sieht. Ziel ist es, den Zugang zu primär-adaptiven Gefühlen zu fördern, um belastende, maladaptive Emotionsschemata zu transformieren („Gefühle mit Gefühlen verändern“).