Kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS)
Das Kognitive Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) (engl. Cognitive Attentional Syndrome) ist das zentrale Konzept der Metakognitiven Therapie (MCT) nach Adrian Wells. Es beschreibt ein spezifisches Muster der Informationsverarbeitung, das psychisches Leiden nicht nur verursacht, sondern chronisch aufrechterhält.
Die drei Säulen des CAS
Das CAS ist keine Krankheit an sich, sondern eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie. Es besteht aus drei Hauptkomponenten, die die psychische Flexibilität einschränken:
- Perseveratives Denken (Grübeln und Sorgen):
Das repetitive Durchkauen von vergangenen Ereignissen (Rumination) oder das endlose Durchspielen von zukünftigen Bedrohungsszenarien (Worrying). - Aufmerksamkeitsfixierung (Threat Monitoring):
Die ständige Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf Gefahrensignale – entweder nach innen (z. B. Überwachung des Herzschlags bei Panik) oder nach außen (z. B. Scannen von Gesichtern nach Ablehnung bei sozialer Angst). - Inffektive Selbstregulationsstrategien:
Versuche, das Befinden durch Gedankenunterdrückung, Vermeidung oder Substanzkonsum zu kontrollieren. Diese Strategien schlagen meist fehl und verstärken den Fokus auf das Problem.
Warum ist das CAS problematisch?
Normalerweise sind negative Gedanken kurzlebig. Das CAS sorgt jedoch dafür, dass sie „im Kopf bleiben“.
- Verhinderung der emotionalen Verarbeitung:
Durch das ständige Grübeln bekommt das Gehirn keine Chance, die Emotionen natürlich abklingen zu lassen. - Erschöpfung der kognitiven Ressourcen:
Da das CAS viel mentale Energie bindet, sinkt die Konzentrationsfähigkeit und die Belastbarkeit im Alltag. - Bestätigungszirkel:
Wer ständig nach Bedrohungen scannt, wird immer wieder (vermeintliche) Hinweise auf Gefahr finden, was das CAS weiter befeuert.
Die Rolle der Metakognitionen
Das CAS wird durch metakognitive Überzeugungen gesteuert. Die betroffene Person glaubt entweder, dass das CAS notwendig ist (z. B. „Sorgen schützen mich“) oder dass es unkontrollierbar ist (z. B. „Ich kann das Grübeln nicht stoppen“). Die Therapie setzt genau hier an, um das CAS zu „deaktivieren“.
Zusammenfassung: Das Kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS) ist ein zentrales Konzept der Metakognitiven Therapie, das ein schädliches Muster der Aufmerksamkeitssteuerung beschreibt. Es setzt sich aus Sorgen, Grübeln, fixierter Aufmerksamkeit auf Bedrohungen und ungünstigen Bewältigungsversuchen zusammen. Das CAS gilt als der primäre Mechanismus, der psychische Störungen wie Angst und Depression aufrechterhält, indem es die natürliche Selbstregulation des Gehirns blockiert.