Aversion

In der Psychologie beschreibt die Aversion ein starkes Gefühl der Abneigung, des Widerwillens oder des Ekels gegenüber einem bestimmten Reiz, einer Situation oder einer Person. Sie ist das motivationale Gegenstück zur Appetenz (Verlangen).

Aversionen dienen biologisch als Schutzmechanismus, um uns vor potenziell schädlichen Einflüssen zu bewahren.

Arten der Aversion

Aversionen können auf verschiedenen Ebenen auftreten:

  • Geschmacksaversion (Garcia-Effekt):
    Eine der stärksten Formen. Wenn wir nach dem Verzehr einer Speise erkranken, entwickelt das Gehirn oft eine lebenslange Abneigung gegen diesen spezifischen Geschmack – selbst wenn das Essen nicht die Ursache war.
  • Soziale Aversion:
    Abneigung gegen bestimmte Verhaltensweisen oder Personengruppen, oft basierend auf negativen Vorerfahrungen oder unbewussten Vorurteilen.
  • Situative Aversion:
    Der Widerwille, bestimmte Orte aufzusuchen (z. B. Krankenhäuser oder Zahnarztpraxen).

Aversion im Lernprozess

In der Verhaltenstherapie spielt das Konzept eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Verhalten:

  • Aversionslernen:
    Ein Individuum lernt, einen Reiz zu meiden, weil dieser mit einer unangenehmen Konsequenz verknüpft wurde (Klassische Konditionierung).
  • Aversionstherapie:
    Eine umstrittene Methode, bei der unerwünschte Verhaltensweisen (z. B. Sucht) mit einem unangenehmen Reiz (z. B. Übelkeit erzeugende Mittel) gekoppelt werden, um eine Abneigung zu konditionieren.

Aversion und Konflikt (Miller-Gradient)

Das Konzept ist essenziell für das Verständnis von inneren Konflikten. Wenn wir uns einem Ziel nähern, das sowohl positive als auch aversive (negative) Seiten hat, greift die Dynamik der Gradienten:

  • Vermeidungsgradient:
    Je näher wir dem aversiven Ziel kommen, desto steiler steigt der Widerwille an. Die Angst wächst schneller als die Vorfreude.

Zusammenfassung

Aversion ist ein grundlegendes Vermeidungsstreben, das als emotionales Warnsignal fungiert und uns dazu motiviert, Unbehagen, Schmerz oder Gefahr aus dem Weg zu gehen.