Hoffnungslosigkeit
Hoffnungslosigkeit (engl. hopelessness) ist in der Psychologie die tiefgreifende kognitive Überzeugung, dass negative Zustände stabil, global und unabwendbar sind, wodurch jede Erwartung auf eine positive Veränderung in der Zukunft vollständig erlischt.
Sie gilt klinisch als einer der stärksten Prädiktoren für schwere depressive Verläufe und Suizidalität.
Das kognitive Modell der Hoffnungslosigkeit
Nach der Hoffnungslosigkeitstheorie (Abramson, Metalsky & Alloy) entsteht dieser Zustand durch eine spezifische Art, Ereignisse zu interpretieren (Attributionsstil).
Wenn etwas Negatives passiert, bewertet eine hoffnungslose Person dies nach drei Kriterien:
- Stabil:
„Das wird sich nie ändern.“ - Global:
„Das betrifft mein ganzes Leben, nicht nur diesen einen Bereich.“ - Intern:
„Es liegt an mir, ich bin das Problem.“
Abgrenzung zur Resignation
Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es feine Unterschiede:
| Merkmal | Resignation | Hoffnungslosigkeit |
| Aktion | Passives Ertragen („Man kann eh nichts machen“) | Kompletter Rückzug / Aufgabe |
| Zeitbezug | Fokus auf die Gegenwart | Fokus auf eine düstere, unveränderliche Zukunft |
| Gefühlswelt | Oft stumpf, gleichmütig, müde | Verzweifelt, schmerzhaft, leer |
| Klinische Relevanz | Schutzmechanismus (Burnout) | Kernsymptom (Depression / Suizidgefahr) |
Die „Hoffnungslosigkeits-Skala“ (BHS)
In der Diagnostik wird häufig die Beck-Hoffnungslosigkeits-Skala verwendet. Sie misst drei Aspekte:
- Gefühle über die Zukunft:
(z. B. „Meine Zukunft sieht düster aus.“) - Motivationsverlust:
(z. B. „Ich habe aufgegeben, etwas erreichen zu wollen.“) - Zukunftserwartungen:
(z. B. „Es wird nie besser werden.“)
Therapeutische Strategien gegen Hoffnungslosigkeit
Die Therapie muss hier sehr behutsam vorgehen, da der Patient oft auch nicht mehr daran glaubt, dass die Therapie helfen kann.
- Kognitive Defusion (ACT):
Den Patienten lehren, dass der Gedanke „Es ist hoffnungslos“ nur ein Gedanke ist und nicht die absolute Realität. - Sokratischer Dialog:
Den Patienten durch Logik dazu bringen, winzige Ausnahmen in seiner Hoffnungslosigkeit zu finden („Gab es heute einen Moment, der nur 1% weniger schlimm war?“). - Imaginationsübungen:
Das vorsichtige Visualisieren kleiner, positiver Szenarien, um die Gehirnareale für Belohnung und Erwartung wieder zu stimulieren. - Suizidprävention:
Da Hoffnungslosigkeit das Suizidrisiko massiv erhöht, steht die Krisenintervention und die Erstellung von Sicherheitsplänen oft an erster Stelle.
Warum fühlen wir das? (Evolutionäre Sicht)
Manche Forscher glauben, dass Hoffnungslosigkeit ein uraltes biologisches Signal ist, um unnötigen Energieverbrauch zu stoppen. Wenn ein Ziel absolut unerreichbar scheint, „fährt das System herunter“, um Ressourcen zu sparen. In der modernen Welt ist diese Reaktion jedoch oft maladaptiv und führt in eine Abwärtsspirale.
Zusammenfassend ist Hoffnungslosigkeit ein Zustand, der über die bloße Resignation hinausgeht. Während Resignation oft ein „Sich-Fügen“ beschreibt, ist Hoffnungslosigkeit der totale Verlust der Erwartung, dass jemals etwas Gutes geschehen wird.