Affektlabilität

Affektlabilität (oder Stimmungslabilität) beschreibt eine schnelle, oft unvorhersehbare Wechselhaftigkeit der Affekte. Im Gegensatz zur Affektinkontinenz (dem Kontrollverlust über den Ausdruck) geht es hier um die Instabilität der Stimmung selbst.

Kernmerkmale der Affektlabilität

  • Geringe Beständigkeit:
    Eine Stimmung (z. B. Freude) hält nicht lange an, sondern schlägt schnell in ein anderes Extrem um (z. B. Gereiztheit oder Traurigkeit).
  • Reaktivität:
    Betroffene reagieren übermäßig stark auf minimale äußere Reize. Eine kleine Bemerkung kann eine tiefe Krise oder Euphorie auslösen.
  • Fähigkeit zur Korrektur:
    Anders als bei einer tiefen Depression können Menschen mit Affektlabilität oft kurzzeitig aus einem Tief „herausgeholt“ werden, nur um kurz darauf wieder zurückzufallen.

Abgrenzung: Wo liegt der Unterschied?

Es ist wichtig, die Labilität von ähnlichen Begriffen zu unterscheiden:

Begriff Fokus Metapher
Affektlabilität Schnelle Schwankungen der Stimmung. Eine Achterbahnfahrt.
Affektinkontinenz Unfähigkeit, den Ausdruck (Lachen/Weinen) zu bremsen. Ein defekter Wasserhahn.
Affektstarrheit Unfähigkeit, die Stimmung zu wechseln (verharrt in einer Emotion). Ein eingefrorener Bildschirm.

Vorkommen bei klinischen Störungsbildern

Affektlabilität ist ein Symptom, keine eigenständige Diagnose. Sie tritt häufig in folgenden Kontexten auf:

Psychologische Mechanismen

Hinter der Labilität steckt oft eine Schwierigkeit in der Emotionsregulation.

  1. Niedrige Reizschwelle:
    Das Nervensystem springt sehr früh auf Reize an.
  2. Hohe Intensität:
    Das Gefühl wird sofort als sehr stark erlebt.
  3. Langsames Abklingen:
    Es dauert lange, bis das biologische Erregungsniveau wieder auf den Nullpunkt sinkt. Bevor das passiert, löst oft schon der nächste Reiz die nächste Welle aus.

Therapie und Umgang

In der Therapie (z. B. Verhaltenstherapie oder DBT) lernen Betroffene, die „Wellen“ frühzeitig zu erkennen:

  • Stimmungstagebücher:
    Um Muster zu erkennen (Gibt es bestimmte Trigger oder Tageszeiten?).
  • Stopp-Techniken:
    Wenn die Stimmung kippt, innehalten und den Reiz neutral bewerten, bevor die emotionale Reaktion voll durchschlägt.
  • Akzeptanz:
    Lernen, dass Gefühle kommen und gehen, ohne dass man sofort auf jedes Gefühl handeln muss.

Zusammenfassung

Affektlabilität bedeutet, dass das emotionale Regulationssystem sehr empfindlich reagiert. Während gesunde Menschen eine gewisse Trägheit in ihrer Stimmung haben (ein „dickes Fell“), reagieren affektlabile Menschen wie eine hochempfindliche Waage auf jedes Gramm Veränderung.