Euphorie
In der Psychologie und Psychiatrie bezeichnet Euphorie einen Zustand übersteigerten Wohlbefindens, gesteigerter Heiterkeit und eines oft unrealistischen Optimismus.
Obwohl das Wort im Alltag meist positiv besetzt ist (als „Glücksgefühl“), wird es in der klinischen Psychologie oft kritisch betrachtet, da es häufig die Realitätswahrnehmung verzerrt oder Symptom einer Erkrankung sein kann.
Merkmale der Euphorie
Euphorie unterscheidet sich von normaler Freude durch ihre Intensität und ihre Loslösung von der tatsächlichen Lebenssituation:
- Übersteigerte Stimmung:
Ein Gefühl von Unbesiegbarkeit oder extremer Leichtigkeit. - Antriebssteigerung:
Betroffene sprühen oft vor Energie, reden viel (Logorrhö) und haben ein vermindertes Schlafbedürfnis. - Distanzlosigkeit:
Oft geht die Euphorie mit einem Verlust an sozialen Hemmungen einher. - Kognitive Verzerrung:
Risiken werden unterschätzt, eigene Fähigkeiten massiv überschätzt.
Euphorie im klinischen Kontext
Wenn Euphorie als Symptom auftritt, ist sie meist Teil eines größeren Störungsbildes:
- Manie (Bipolare Störung):
Hier ist die Euphorie das Leitsymptom. Sie ist oft gepaart mit Größenwahn und kann in Gereiztheit umschlagen, wenn der Betroffene gebremst wird. - Drogeninduzierte Euphorie:
Viele Substanzen (z. B. Kokain, Amphetamine, MDMA oder Alkohol in der Initialphase) erzeugen eine künstliche Euphorie durch die massive Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin. - Organische Ursachen:
Bestimmte Hirntumore (besonders im Frontallappen), Demenzen oder neurologische Erkrankungen (wie Multiple Sklerose) können zu einer unangemessenen „läppischen“ Euphorie führen.
Abgrenzung: Euphorie vs. Dysphorie vs. Depression
Um die Euphorie einzuordnen, hilft der Blick auf die Stimmungsskala:
| Zustand | Beschreibung |
| Euphorie | Übersteigert hoch, expansiv, oft unrealistisch. |
| Euthymie | Normale, ausgeglichene Stimmungslage. |
| Dysphorie | Missmütige, gereizte, bedrückte Stimmung (Gegenteil der Euphorie). |
| Depression | Tiefgedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebsmangel. |
Der „Euphorie-Crash“
In der Psychologie wird oft beobachtet, dass auf eine Phase extremer Euphorie ein tiefer Absturz folgt. Dies liegt einerseits an der biologischen Erschöpfung der Neurotransmitter-Speicher und andererseits an der psychischen Konfrontation mit den Folgen (z. B. Schulden oder soziale Konflikte), die während der euphorischen Phase verursacht wurden.
Euphorie im Sport und Alltag
Es gibt auch physiologisch „gesunde“ Formen der Euphorie:
- Runner’s High:
Durch extreme körperliche Belastung werden Endorphine und körpereigene Cannabinoide ausgeschüttet, die schmerzlindernd und euphorisierend wirken. - Flow-Zustand:
Ein tiefes Aufgehen in einer Tätigkeit, das mit einem starken Glücksgefühl verbunden ist, aber im Gegensatz zur klinischen Euphorie die Realitätskontrolle wahrt.
Zusammenfassung
Euphorie ist produktiv und gesund, wenn sie als kurzzeitige Reaktion auf Erfolg auftritt, wird aber zum klinischen Problem, wenn sie situationsunangemessen ist und die Urteilsfähigkeit einschränkt.