Abwertung (Devaluation)

Die Abwertung (auch Devaluation oder Entwertung) beschreibt in der Psychologie einen psychischen Abwehrmechanismus, bei dem der Wert einer Person, einer Leistung oder einer Sache massiv herabgesetzt wird. Ziel ist es, die emotionale Bedeutung des Objekts für das eigene Ich zu minimieren. Es ist ein „Alles-oder-Nichts“-Vorgang: Das Gegenüber wird nicht mehr differenziert betrachtet, sondern als gänzlich mangelhaft definiert.

Kognitive Funktion (Abwehr & Selbstschutz)

Im Kopf fungiert Abwertung als eine Art Sicherungssystem gegen unangenehme Gefühle:

  • Neutralisierung von Neid:
    Wenn jemand etwas besitzt, das man selbst begehrt, entsteht ein schmerzhaftes Minderwertigkeitsgefühl. Durch Abwertung („Das ist doch sowieso billig/unwichtig“) wird das Objekt entwertet und der Neid verschwindet.
  • Schutz vor Ablehnung:
    Bevor man selbst abgelehnt wird, wertet man die andere Person ab („Ihre Meinung zählt für mich eh nicht“). So verliert die mögliche Kränkung ihre Kraft.
  • Komplexitätsreduktion:
    Das Gehirn spart Energie, indem es komplizierte soziale Spannungen in einfache Kategorien (gut/böse, wertvoll/wertlos) unterteilt (vgl. dichotomes Denken).

Soziale Funktion (Macht & Hierarchie)

Abwertung ist ein soziales Werkzeug, um Machtverhältnisse zu steuern:

  • Künstliche Selbsterhöhung:
    Da Selbstwertgefühl oft durch Vergleiche entsteht, ist die Abwertung anderer der schnellste Weg, sich selbst überlegen zu fühlen, ohne die eigene Leistung steigern zu müssen.
  • Einschüchterung:
    Durch aggressive Abwertung (z. B. Spott, Verachtung oder auch narzisstische Wut) wird das Gegenüber verunsichert, um die Kontrolle in einem Gespräch oder einer Beziehung zu behalten.

Devaluation bei Psychischen Störungen

In der klinischen Psychologie ist die Devaluation ein zentrales Symptom, besonders bei Persönlichkeitsstörungen:

Der Zusammenhang mit Idealisierung (Spaltung)

Abwertung existiert psychologisch selten allein. Sie ist meist Teil eines Spaltungsmechanismus (Splitting). Die Psyche kann die Grautöne nicht halten und wechselt zwischen den Extremen:

  1. Idealisierung:
    Das Objekt (z. B. ein neuer Partner) ist perfekt, gottgleich, fehlerfrei.
  2. Bruch:
    Das Objekt zeigt eine Schwäche oder setzt eine Grenze.
  3. Abwertung (Devaluation):
    Das Objekt wird sofort vom Podest gestoßen und als wertlos, böse oder unfähig deklariert.

Zusammenfassung

Aspekt Beschreibung
Kernmotiv Vermeidung von Scham, Neid oder Ohnmacht.
Mechanik Radikale Herabsetzung des Werts eines Objekts.
Gegenspieler Idealisierung (beide bilden den Splitting-Mechanismus).
Folge Verlust der Beziehungsqualität bei gleichzeitigem (kurzfristigem) Selbstwertschutz.