Body-Focused Repetitive Behaviors (BFRB)

Body-Focused Repetitive Behaviors (BFRB) (dt. Körperfokussierte repetitive Verhaltensweisen) ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von psychischen Störungen, bei denen Betroffene ihren eigenen Körper auf schädigende Weise wiederholt bearbeiten (zupfen, beißen, kratzen).

Obwohl diese Handlungen oft wie „schlechte Angewohnheiten“ wirken, handelt es sich medizinisch um ernsthafte Impulskontrollstörungen, die meist unter hoher innerer Spannung ablaufen.

Die häufigsten Formen von BFRBs

Die Störungen werden primär nach dem Zielort der Handlung benannt:

  • Trichotillomanie:
    Das zwanghafte Ausreißen der eigenen Haare (Kopfhaar, Wimpern, Augenbrauen).
  • Dermatillomanie (Skin Picking):
    Das exzessive Kratzen, Drücken oder Knubbeln an der Haut, oft bis Entzündungen oder Narben entstehen.
  • Onychophagie:
    Massives Nägelbeißen, das über das normale Maß hinausgeht und das Nagelbett schädigt.
  • Onychotillomanie:
    Das Abreißen oder Zerstören der Finger- oder Fußnägel mit den Fingern oder Werkzeugen.
  • Morsicatio buccarum:
    Das chronische Beißen auf der Wangeninnenseite.

Psychologische Dynamik: Der Teufelskreis

BFRBs folgen meist einem spezifischen Ablauf, der sie von reinem Tics unterscheidet:

  1. Trigger:
    Innere Anspannung, Stress, Langeweile oder eine wahrgenommene „Unreinheit“ (z. B. ein abstehendes Härchen oder eine Hautunebenheit).
  2. Die Handlung:
    Das Zupfen oder Beißen führt zu einer kurzfristigen emotionalen Entlastung oder Beruhigung.
  3. Die Folge:
    Kurz nach der Handlung entstehen oft Scham, Schuldgefühle und physischer Schmerz, was den Stresslevel wieder erhöht und den nächsten Trigger auslöst.

Abgrenzung: BFRB vs. Selbstverletzung

BDRBs werden zuweilen mit selbstverletzendem Verhalten (SSV) gleichgesetzt, es gibt jedoch Unterschiede:

  • BFRB:
    Dient meist der Affektregulation (Beruhigung) oder werden fast tranceartig unbewusst ausgeführt. Das Ziel ist nicht, sich Schmerz zuzufügen, sondern einen Makel zu beseitigen oder Spannung abzubauen.
  • Nicht-suizidale Selbstverletzung (NSSV) (z. B. Schneiden/Ritzen):
    Hat oft das Ziel, inneren Schmerz durch physischen Schmerz zu überlagern oder sich überhaupt zu spüren.

Abgrenzung zur Zwangsstörung

Auch wenn BFRBs einen zwanghaften Charakter haben, müssen sie von der „klassischen“ Zwangsstörung (OCD) abgegrenzt werden:

Merkmal BFRB Klassische Zwangsstörung (OCD)
Gedanken Meist kein expliziter Zwangsgedanke („Ich muss, sonst passiert X“). Getrieben durch Ängste und Rituale.
Gefühl Oft angenehm oder entspannend währenddessen. Meist rein quälend und angstgetrieben.
Wahrnehmung Oft automatisiert/unbewusst. Meist sehr bewusst und intentional.

Behandlung

In der Psychotherapie ist Habit Reversal Training (HRT) die Methode der Wahl. Ergänzend werden oft Ansätze aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) oder Entspannungsverfahren genutzt, um die zugrunde liegende Anspannung zu reduzieren.