Abhängigkeit (Dependenz)

Abhängigkeit (Dependenz) beschreibt einen Zustand, in dem ein Individuum in übermäßigem Maße von einer Substanz, einer Verhaltensweise oder einer anderen Person abhängig ist, um psychisches, emotionales oder physiologisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Sie ist gekennzeichnet durch den Kontrollverlust über das abhängige Objekt oder Verhalten, obwohl es negative Konsequenzen nach sich zieht.

1. Substanzabhängigkeit (Sucht)

Der klinisch häufigste Gebrauch des Begriffs Dependenz bezieht sich auf die körperliche und psychische Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen. Sie wird nach den gängigen Klassifikationssystemen (ICD-11, DSM-5) als Substanzgebrauchsstörung diagnostiziert, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Starkes Verlangen (Craving):
    Ein unwiderstehlicher Wunsch, die Substanz zu konsumieren.
  • Kontrollverlust:
    Schwierigkeiten, Beginn, Ende oder Menge des Konsums zu kontrollieren.
  • Toleranzentwicklung:
    Die Notwendigkeit, immer höhere Dosen zu konsumieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
  • Körperliches Entzugssyndrom:
    Auftreten von Entzugssymptomen (körperlich und psychisch) bei Reduktion oder Beendigung des Konsums.
  • Eingeengtes Verhaltensmuster:
    Die Aufgabe oder starke Reduktion anderer Interessen zugunsten des Konsums.
  • Anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen:
    Fortsetzung des Konsums, obwohl die Person weiß, dass er körperliche, psychische oder soziale Schäden verursacht.

2. Verhaltensabhängigkeit (Nicht-stoffgebundene Süchte)

Die Kriterien der Abhängigkeit werden auch auf bestimmte Verhaltensweisen angewandt, die zwanghaft ausgeführt werden und negative Folgen haben.

  • Beispiele:
    Glücksspielsucht, Internetsucht, Kaufsucht.
  • Mechanismus:
    Ähnlich der Substanzabhängigkeit erleben Betroffene ein starkes Verlangen (Craving) nach dem Verhalten, den Kontrollverlust darüber und Entzugssymptome (z.B. Reizbarkeit, Unruhe), wenn sie das Verhalten nicht ausführen können.

3. Interpersonelle Abhängigkeit

Dependenz kann auch im zwischenmenschlichen Bereich eine Rolle spielen, wobei hier zwischen gesunden und pathologischen Formen unterschieden werden muss:

  • Abhängige Persönlichkeitsstörung:
    Eine tiefgreifende und übermäßige Tendenz, sich kümmern zu lassen. Betroffene fühlen sich hilflos, wenn sie allein sind, sind unfähig, Entscheidungen zu treffen und haben extreme Angst vor dem Verlassenwerden.
  • Co-Abhängigkeit (Co-Dependency):
    Hierbei ist die Person psychologisch von der Bedürftigkeit oder dem dysfunktionalen Verhalten eines anderen abhängig (oft ein Suchtkranker). Die eigene Identität wird stark durch die Rolle des Helfers oder Ermöglichers definiert.

In der Psychotherapie wird das Ziel verfolgt, die Autonomie und die Fähigkeit zur gesunden Selbstregulation des Klienten wiederherzustellen, um die Abhängigkeit zu überwinden.

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