Fixierung
Der Begriff Fixierung (engl. fixation) beschreibt in der Psychologie einen Zustand, in dem die psychische Entwicklung an einem bestimmten Punkt stehen bleibt oder eine übermäßige Bindung an bestimmte Erlebensweisen, Objekte oder Verhaltensmuster entsteht. Während der Begriff seinen Ursprung in der klassischen Psychoanalyse hat, wird er heute auch in der Kognitionspsychologie und der Lernpsychologie in unterschiedlichen Kontexten verwendet.
1. Fixierung in der Psychoanalyse (Sigmund Freud)
Nach Freud durchläuft jedes Kind verschiedene psychosexuelle Entwicklungsphasen. Eine Fixierung tritt auf, wenn die Bedürfnisse in einer dieser Phasen entweder unzureichend befriedigt (Frustration) oder übermäßig verwöhnt wurden. Das Individuum bleibt dann symbolisch in dieser Phase verhaftet oder kehrt in Stresssituationen dorthin zurück (Regression).
Die klassischen Phasen und ihre Fixierungsmerkmale:
| Phase | Fokus | Mögliche Merkmale einer Fixierung im Erwachsenenalter |
| Orale Phase (0–1 J.) | Mund, Nahrungsaufnahme | Übermäßiges Essen, Rauchen, Passivität, Sarkasmus oder eine „fordernde“ Grundhaltung. |
| Anale Phase (1–3 J.) | Kontrolle, Reinlichkeit | Anal-retentiv: Übertriebene Ordnungsliebe, Geiz, Eigensinn. Anal-expulsiv: Unordentlichkeit, Verschwendung. |
| Phallische Phase (3–6 J.) | Genitalien, Ödipuskomplex | Geltungsbedürfnis, Probleme mit Autoritäten, Koketterie oder extreme Leistungsbezogenheit. |
2. Kognitionspsychologie: Die funktionale Gebundenheit
In der Denk- und Problemlösepsychologie beschreibt Fixierung die Unfähigkeit, ein Objekt anders als in seiner herkömmlichen Funktion zu sehen oder eine eingefahrene Strategie zu verlassen, selbst wenn sie nicht zum Ziel führt.
- Funktionale Gebundenheit:
Man sieht einen Hammer nur als Werkzeug zum Einschlagen von Nägeln und erkennt nicht, dass er auch als Briefbeschwerer oder Pendelgewicht dienen könnte. - Einstellungseffekte:
Man wendet wiederholt eine komplizierte Lösungsformel an, die in der Vergangenheit funktioniert hat, und übersieht dabei eine viel einfachere, neue Lösungsmöglichkeit.
3. Fixierung in der Bindungstheorie und Verhaltenstherapie
In modernen Kontexten wird Fixierung oft weniger triebtheoretisch, sondern eher strukturell oder lerntheoretisch betrachtet:
- Bindungsfixierung:
Eine starre Ausrichtung auf eine Bezugsperson, die eine gesunde Autonomieentwicklung verhindert. - Verhaltensfixierung:
Das zwanghafte Festhalten an dysfunktionalen Routinen (z. B. bei Zwangsstörungen oder Suchterkrankungen), da diese kurzfristig Angst reduzieren, langfristig aber die Anpassung an die Realität behindern.
Wann ist Fixierung problematisch?
Eine gewisse Beständigkeit in Charakter und Gewohnheiten ist normal. Pathologisch wird eine Fixierung erst, wenn sie:
- Starrheit erzeugt (mangelnde Flexibilität gegenüber neuen Situationen).
- Leidensdruck verursacht (soziale Isolation, berufliche Probleme).
- Wachstum verhindert (die Person kann ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen, weil sie in alten Mustern gefangen ist).