Psychosomatosen

Unter dem Begriff Psychosomatosen (auch „Psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinne“) versteht man körperliche Erkrankungen mit organischem Befund, bei denen psychische Faktoren maßgeblich an der Entstehung, Auslösung oder Aufrechterhaltung beteiligt sind.

Im Gegensatz zu somatoformen Störungen (bei denen man nichts Organisches findet) gibt es hier eine nachweisbare Gewebeschädigung oder eine objektiv messbare Fehlfunktion.

Die klassischen „Holy Seven“

In der Mitte des 20. Jahrhunderts definierte Franz Alexander sieben klassische Krankheitsbilder, bei denen der psychosomatische Zusammenhang erstmals systematisch beschrieben wurde:

  1. Ulcus ventriculi / duodeni:
    Magengeschwür bzw. Zwölffingerdarmgeschwür.
  2. Colitis ulcerosa:
    Chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
  3. Asthma bronchiale:
    Chronische Verengung der Atemwege.
  4. Essentielle Hypertonie:
    Bluthochdruck ohne primär organische Ursache.
  5. Neurodermitis:
    Atopisches Ekzem (Hauterkrankung).
  6. Hyperthyreose:
    Schilddrüsenüberfunktion.
  7. Rheumatoide Arthritis:
    Entzündliche Gelenkerkrankung.

Heute weiß man, dass diese Liste unvollständig ist und bei fast jeder chronischen Krankheit psychische Faktoren eine Rolle spielen.

Entstehungsmechanismen

Die Psychologie nutzt verschiedene Ansätze, um die Entstehung von Psychosomatosen zu erklären. Ein zentrales Element ist die Stressachse.

Abgrenzung: Psychosomatose vs. Somatoforme Störung

MerkmalPsychosomatoseSomatoforme Störung
OrganbefundVorhanden (z. B. Entzündung, Geschwür)Kein organischer Befund
BeispielMagengeschwürNervöser Reizmagen
FokusPsychische Faktoren verschlimmern OrganzustandPsychischer Schmerz wird körperlich wahrgenommen
GefahrKann lebensbedrohlich sein (z. B. Asthmaanfall)Meist subjektiv belastend, selten organisch gefährlich

Psychologische Behandlung bei Psychosomatosen

Die Therapie ist multidisziplinär. Da eine organische Schädigung vorliegt, ist eine rein psychologische Behandlung meist nicht ausreichend, aber eine rein medizinische oft nicht nachhaltig.