Intoleranz

In der Psychologie wird Intoleranz (intolerance) nicht nur als moralisches oder gesellschaftliches Problem betrachtet, sondern vor allem als ein Mechanismus der Informationsverarbeitung und der Empathieregulation. Es geht im Kern darum, wie ein Individuum mit Abweichungen von der eigenen Norm oder mit Unsicherheit umgeht.

Man unterscheidet dabei vor allem zwei Ebenen:

Ambiguitätstoleranz (Die kognitive Ebene)

Dies ist die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit und Unsicherheit auszuhalten. Menschen mit einer niedrigen Ambiguitätstoleranz (also hoher kognitiver Intoleranz) empfinden Situationen, die nicht eindeutig „Richtig“ oder „Falsch“ sind, als psychisch belastend.

  • Bedürfnis nach Abgeschlossenheit:
    Es besteht ein starker Drang, schnell zu einer festen Meinung zu kommen, um das Gefühl der Unsicherheit zu beenden.
  • Schwarz-Weiß-Denken:
    Informationen werden in einfache Kategorien sortiert. Grauzonen werden ignoriert oder als bedrohlich wahrgenommen.
  • Starrheit (Rigidität):
    Einmal gefasste Meinungen werden auch angesichts neuer Fakten kaum geändert, da die Änderung des Weltbildes zu viel psychische Energie kosten würde.

Soziale Intoleranz (Die zwischenmenschliche Ebene)

Hierbei handelt es sich um die Ablehnung von Personen oder Gruppen, die andere Werte, Merkmale oder Verhaltensweisen zeigen. Psychologisch stecken dahinter oft Schutzfunktionen:

Psychologische Funktionen von Intoleranz

Warum „leistet“ sich die Psyche Intoleranz, obwohl sie sozial schädlich ist?

FunktionBeschreibung
AngstreduktionDas Unbekannte macht Angst. Intoleranz (Ablehnung) schafft eine vermeintliche Distanz zur Gefahr.
KomplexitätsreduktionDie Welt ist kompliziert. Intolerante Denkmuster (Stereotype) dienen als kognitive Abkürzung.
SelbstwertschutzDurch die Abwertung anderer fühlt man sich der eigenen Gruppe und deren Werten sicherer zugehörig.

Zusammenfassung

Psychologisch gesehen ist Intoleranz oft ein Vermeidungsverhalten. Während Toleranz eine aktive kognitive Leistung ist (man muss den Widerspruch aushalten), ist Intoleranz der „bequemere“ Weg des Gehirns, um Ordnung und vermeintliche Sicherheit in einer unübersichtlichen Welt herzustellen.