Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ZPS/OCPD)
Eine Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (auch Anankastische Persönlichkeitsstörung genannt, im englischen Sprachraum Obsessive Compulsive Personality Disorder (OCPD)) ist eine psychische Erkrankung, die durch ein tiefgreifendes Muster von Rigidität, Perfektionismus, Ordnung und Kontrolle gekennzeichnet ist, oft auf Kosten von Flexibilität, Offenheit und Effizienz. Betroffene legen übermäßige Wert auf Details, Regeln und Listen, was dazu führen kann, dass sie die eigentliche Aufgabe aus den Augen verlieren.
Symptome und Merkmale
- Perfektionismus:
Ein starker Drang, alles perfekt zu machen, was oft zu Verzögerungen oder dem Nicht-Abschließen von Aufgaben führt. - Kontrollzwang:
Übermäßige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung und Plänen, mit dem Ziel ein Gefühl der Kontrolle zu behalten, wodurch die eigentliche Aktivität oft in den Hintergrund tritt. - Regel- und Pünktlichkeitszwang:
Strenge Einhaltung von Regeln und Zeitplänen, was zu unflexiblem Verhalten und Schwierigkeiten bei der Anpassung an Veränderungen führen kann. - Rigidität und Starrsinn:
Feste moralische Prinzipien, Eigensinn und Schwierigkeiten, Kompromisse einzugehen, sich an neue Situationen anzupassen und Unsicherheit oder Mehrdeutigkeit auszuhalten (vgl.: Ambiguitätstoleranz). - Hortverhalten:
Unfähigkeit, wertlose Dinge wegzuwerfen, und Geiz, um für zukünftige Katastrophen vorzusorgen (siehe auch: Hortungsstörung). - Arbeitsbesessenheit:
Übermäßige Hingabe an Arbeit und Pflichterfüllung, oft auf Kosten von Freizeit und sozialen Beziehungen. - Vernachlässigung:
Freizeit, Freunde und Vergnügen werden zugunsten von Arbeit und Pflichterfüllung vernachlässigt.
- Vermeidung von Fehlern
Große Angst vor Fehlern und Kritik, was zu übermäßiger Vorsicht und Zögern führen kann. - Schwierigkeiten bei der Delegation
Zögern, Aufgaben an andere zu delegieren, da sie oft das Gefühl haben, dass andere die Aufgabe nicht so gut erledigen können wie sie selbst. - Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit
Arbeiten ungern mit anderen zusammen, wenn diese nicht exakt ihre Methode befolgen.
Abgrenzung zur Zwangsstörung (ICD-10: F42)
Es ist wichtig, die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung von einer Zwangsstörung (ICD-10: F42) zu unterscheiden.
Während beide Begriffe ähnliche Aspekte von Perfektionismus und Kontrolle beinhalten, bezieht sich die Zwangsstörung auf wiederkehrende, sich aufdrängende Gedanken (Zwangsgedanken) und/oder Handlungen (Zwangshandlungen), die die Betroffenen als unsinnig oder übertrieben empfinden und gegen die sie ankämpfen.
Bei der Zwanghaften Persönlichkeitsstörung handelt es sich um einen längerfristigen Persönlichkeitsstil, der sich in vielen Lebensbereichen manifestiert, ohne dass die Betroffenen die Notwendigkeit verspüren, sich dagegen zu wehren oder sie als unsinnig zu empfinden.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Zwanghaften Persönlichkeitsstörung sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Nach den Modellen der Klärungsorientierten Psychotherapie (Rainer Sachse) liegt der Störung die Entwicklung dysfunktionaler Schemata und Überzeugungen („Ich bin nicht akzeptabel / Ich habe mangelnde Fähigkeiten / Ich bin unmoralisch.“) zugrunde, deren Lösungsstrategie in der Ausbildung von Perfektionismus und starren Normen liegt. Die Person versucht, durch exzessive Korrektheit, Kontrolle und Pflichterfüllung die negativen Grundannahmen zu falsifizieren oder zumindest zu vermeiden, dass sie „wahr werden“.
Behandlung
Eine Psychotherapie, insbesondere die Klärungsorientierte Psychotherapie kann helfen, durch Klärung des inneren Bezugsrahmens und Einsicht in die Kosten-Nutzen-Bilanz, Veränderungen beim Klienten anzustossen.
Auch die kognitive Verhaltenstherapie, kann helfen, die mit der Störung verbundenen Probleme zu bewältigen und den Umgang mit den Symptomen zu erleichtern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung durch ein tiefgreifendes Muster von Perfektionismus, Ordnung und Kontrolle gekennzeichnet ist, das zu Schwierigkeiten im Alltag, bei der Arbeit und in Beziehungen führen kann.
Eine professionelle Behandlung kann Betroffenen helfen, mit den Symptomen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.