Angstreaktion

In der Psychologie wird die Angstreaktion als ein komplexes Antwortmuster des Organismus auf eine Bedrohung definiert. Sie ist eine der grundlegendsten Überlebensfunktionen und wird heute meist über das Drei-Komponenten-Modell beschrieben.

Das Drei-Komponenten-Modell

Eine Angstreaktion findet immer gleichzeitig auf drei Ebenen statt. Diese beeinflussen sich gegenseitig und können sich in einem Teufelskreis aufschrauben:

  • Physiologische Ebene (Körper):
    Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Typische Anzeichen sind Herzrasen (Tachykardie), flache Atmung, Schwitzen und Muskelanspannung. Dies dient der energetischen Vorbereitung auf körperliche Arbeit.
  • Kognitive Ebene (Gedanken/Erleben):
    Subjektive Gefühle von Hilflosigkeit, Katastrophengedanken („Ich schaffe das nicht“, „Ich sterbe“) und eine Einengung der Aufmerksamkeit auf die Gefahrenquelle (Tunnelblick).
  • Behaviorale Ebene (Verhalten):
    Hier zeigen sich die evolutionären Überlebensstrategien: Fight (Kampf), Flight (Flucht), Freeze (Erstarren) oder Fawn (Unterwerfung/Appeasement). Auch langfristiges Vermeidungsverhalten gehört hierzu.

Psychologische Erklärungsmodelle

Die Psychologie nutzt verschiedene Theorien, um zu erklären, wie und warum diese Reaktionen entstehen:

Abgrenzung: Angst vs. Furcht

In der Fachpsychologie (z. B. nach David Barlow) wird oft unterschieden:

  • Furcht (Fear):
    Eine unmittelbare, gegenwartsbezogene Reaktion auf eine reale, konkrete Gefahr (kurzfristig, führt zu Flucht/Kampf).
  • Angst (Anxiety):
    Ein zukunftsorientierter emotionaler Zustand. Man sorgt sich um eine diffuse Bedrohung, die eintreten könnte (langfristig, führt zu Anspannung und Sorge).

Wichtig: Eine Angstreaktion ist erst dann pathologisch (krankhaft), wenn sie unangemessen stark ausfällt, ohne reale Gefahr auftritt und die Lebensqualität dauerhaft einschränkt.

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