Affektivität

In der Psychologie ist die Affektivität der Oberbegriff für das gesamte Gefühlsleben eines Menschen. Sie umfasst nicht nur kurzzeitige Reaktionen, sondern die Art und Weise, wie wir Emotionen erleben, ausdrücken und regulieren.

Man kann sie sich als die „emotionale Grundausstattung“ vorstellen, die bestimmt, wie wir auf die Welt reagieren.

Die drei Säulen der Affektivität

Die Affektivität setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die sich in ihrer Dauer und Intensität unterscheiden:

  1. Affekte (kurzfristig):
    Intensive, kurz andauernde Gefühlsregungen (z. B. ein plötzlicher Wutausbruch, Erschrecken oder ein kurzes Glücksgefühl). Sie haben oft eine starke körperliche Komponente (Herzklopfen, Erröten).
  2. Gefühle/Emotionen (mittelfristig):
    Diese sind meist objektbezogen und komplexer (z. B. die Liebe zu einer Person, die Freude über ein Geschenk).
  3. Stimmung (langfristig):
    Der emotionale Hintergrund, der über längere Zeit besteht (z. B. gedrückte Stimmung, Euphorie). Sie hat oft keinen direkten Auslöser.

Merkmale einer gesunden Affektivität

Ein psychisch stabiler Mensch zeigt in der Regel folgende Eigenschaften:

  • Modulationsfähigkeit:
    Die Fähigkeit, die Schwingungsbreite der Gefühle anzupassen (zwischen leiser Freude und lautem Lachen variieren zu können).
  • Situationsangemessenheit:
    Die Gefühle passen zum Anlass (Trauer bei Verlust, Freude bei Erfolg).
  • Affektive Resonanz:
    Die Fähigkeit, auf die Stimmung anderer einzugehen und „mitzuschwingen“ (Empathie).

Affektstörungen (Störungen der Affektivität)

In der Psychiatrie und klinischen Psychologie wird die Affektivität genau beobachtet, um Diagnosen zu stellen. Hier sind die wichtigsten Abweichungen:

Störung Beschreibung Beispiel
Affektverflachung Wenige Affekte sind vorhanden; der Mensch wirkt kühl und unbeteiligt. Häufig bei Schizophrenie oder schweren Depressionen.
Affektstarre Der Patient verharrt in einer Stimmung, unabhängig von der Situation. Ein depressiver Patient kann sich auch über gute Nachrichten nicht freuen.
Affektlabilität Schneller Wechsel der Gefühle. Borderline-Persönlichkeitsstörung, ADHS.
Affektinkontinenz Affekte brechen ungebremst nach außen durch. Neurologische Erkrankungen (Schlaganfall, Demenz).
Parathymie Gefühl und Situation passen absolut nicht zusammen. Lachen beim Erzählen eines schrecklichen Unfalls.

Affektivität vs. Kognition

In der Psychologie wird oft zwischen Affekt (Fühlen) und Kognition (Denken) unterschieden.

  • Affektive Bewertung:
    „Ich mag das nicht, es macht mir Angst.“ (Schnell, intuitiv, unbewusst).
  • Kognitive Bewertung:
    „Das ist eine harmlose Spinne, sie kann mir nichts tun.“ (Langsamer, rational, bewusst).

In der Therapie (z. B. Verhaltenstherapie) versucht man oft, die kognitive Ebene zu nutzen, um die affektive Reaktion zu verändern – also das Denken einzusetzen, um das Fühlen zu steuern.

Warum ist der Begriff so wichtig?

Die Affektivität ist der Motor unseres Verhaltens. Ohne Affekte wären wir nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen, da wir keine Präferenzen hätten. Sie fungiert als Leitsystem, das uns sagt, was sicher, gefährlich, erstrebenswert oder abstoßend ist.