Affektverflachung

In der Psychologie beschreibt die Affektverflachung (auch affektive Verflachung genannt; engl. Affective Flattening) eine Verminderung der emotionalen Ausdrucksfähigkeit und Erlebnistiefe. Während die „emotionale Taubheit“ oft als ein subjektives Gefühl der Leere erlebt wird, ist die Affektverflachung häufig eine von außen beobachtbare Reduktion der emotionalen Reaktionen.

Sie gehört im klinischen Kontext meist zu den sogenannten Negativsymptomen.

Die drei Ebenen der Verflachung

Die Psychologie unterscheidet bei der Affektverflachung zwischen dem, was ein Mensch zeigt, und dem, was er innerlich fühlt:

  • Motorik & Mimik:
    Das Gesicht wirkt maskenhaft oder starr. Es gibt kaum Regungen bei Freude oder Trauer. Die Gestik ist reduziert.
  • Paralinguistik (Sprechen):
    Die Stimme klingt monoton, prosodiearm (keine Betonungen) und oft leise.
  • Subjektives Erleben:
    Der Patient berichtet oft, dass Gefühle nur noch „gedämpft“ oder gar nicht mehr vorhanden sind.

Ursachen und Abgrenzung

Die Affektverflachung ist ein wichtiges diagnostisches Kriterium für verschiedene Störungsbilder:

Schizophrenie (Negativsymptomatik)

Hier ist die Affektverflachung eines der Kernsymptome; die soziale Kognition ist gestört.
Die Betroffenen können soziale Signale schlechter senden und empfangen. Dies führt oft zu Missverständnissen und sozialem Rückzug.

Schwere Depression

In einer tiefen depressiven Episode kann der Affekt so stark reduziert sein, dass der Patient wie „eingefroren“ wirkt. Man spricht hier auch von Gefühllosigkeit gegenüber Gefühlen.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Hier dient die Verflachung als Schutzmechanismus (Dissoziation), um schmerzhafte Erinnerungen vom Bewusstsein fernzuhalten.

Affektverflachung vs. Emotionale Taubheit

Obwohl die Begriffe oft vermischt werden, gibt es einen feinen psychologischen Unterschied:

Merkmal Affektverflachung Emotionale Taubheit
Perspektive Primär die Außenwirkung (Ausdruck). Primär das Innenleben (Empfinden).
Dauer Oft chronisch (z. B. bei Schizophrenie). Oft episodisch oder reaktiv (nach Trauma).
Bewusstsein Dem Betroffenen oft selbst gar nicht so bewusst. Wird oft als schmerzhafter Mangel erlebt („Ich fühle nichts“).

Neurobiologische Hintergründe

Die Affektverflachung steht in engem Zusammenhang mit der Funktion des Frontallappens und des Belohnungssystems:

  • Dopamin-Mangel:
    Ein Mangel an Dopamin im mesokortikalen Pfad des Gehirns führt dazu, dass Reize keine „Bedeutung“ (Salienz) mehr haben. Wenn nichts mehr als wichtig oder belohnend empfunden wird, flacht der Affekt ab.
  • Präfrontaler Kortex:
    Eine verringerte Aktivität in diesem Bereich erschwert die bewusste Steuerung und den Ausdruck von Emotionen.

Behandlung in der Psychotherapie

Die Behandlung ist oft schwierig, da klassische Medikamente (wie Antipsychotika) die Verflachung manchmal sogar verstärken können (als Nebenwirkung).

  1. Soziales Kompetenztraining:
    Gezieltes Üben von Mimik und Gestik, um die Kommunikation zu verbessern.
  2. Aktivierungstherapie:
    Kleine, positive Erlebnisse schaffen, um das Belohnungssystem wieder „anzukurbeln“.
  3. Emotionsfokussierte Therapie:
    Versuchen, über Körperwahrnehmung wieder Zugang zu feinen affektiven Regungen zu finden.