Allostatische Last

Die allostatische Last (auch allostatische Belastung, engl. Allostatic Load) ist ein klinisches Konzept, das den „Verschleiß“ des Körpers und der Psyche beschreibt, der durch chronische Belastung entsteht.

Während Allostase der hilfreiche Prozess der Anpassung ist, beschreibt die allostatische Last den Preis, den wir für diese ständige Anpassung zahlen müssen, wenn die Erholungsphasen fehlen.

Die Entstehung: Wenn Anpassung zum Problem wird

Man kann sich das System wie ein Gummiband vorstellen: Allostase ist das Dehnen des Bandes, um eine Last zu halten. Die allostatische Last ist die Materialermüdung, die auftritt, wenn das Band dauerhaft unter Spannung steht und spröde wird.

In der Psychologie unterscheidet man vier Szenarien, die zur Last führen:

  1. „Repeated Hits“ (Wiederholte Belastung):
    Zu viele Stressoren folgen zu dicht aufeinander. Das System kommt nie ganz zur Ruhe.
  2. Mangelnde Adaptation:
    Man gewöhnt sich nicht an einen eigentlich harmlosen Reiz (z. B. Lampenfieber bei jedem kleinsten Meeting) und reagiert jedes Mal mit maximalem Stress.
  3. Verzögerte Erholung:
    Die Stressreaktion (z. B. hoher Blutdruck oder Grübeln) hält noch Stunden oder Tage an, obwohl die Gefahr längst vorbei ist.
  4. Inadäquate Reaktion:
    Ein System reagiert zu schwach (z. B. das Immunsystem), woraufhin andere Systeme (z. B. Entzündungsfaktoren) unkontrolliert hochfahren.

Die Folgen für Körper und Psyche

Wenn die allostatische Last zu hoch wird, spricht man vom Allostatic Overload. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Körper und die Psyche und ist klinisch-psychologisch hochrelevant.

Messbarkeit in der Praxis

In der psychologischen Forschung und Diagnostik wird die allostatische Last oft über einen Index bestimmt, der verschiedene Marker kombiniert:

Kategorie Marker (Beispiele)
Hormone Cortisol-Tagesprofil, Adrenalin
Herz-Kreislauf Blutdruck, Herzratenvariabilität (HRV)
Stoffwechsel Blutzucker (HbA1c), Cholesterin
Immunsystem Entzündungswerte (z. B. C-reaktives Protein)

Bedeutung für die Prävention

Das Konzept ist deshalb so wichtig, weil es zeigt, dass Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Krankheit ist. Jemand kann sich psychisch noch „okay“ fühlen, während die allostatische Last (der biologische Verschleiß) bereits gefährlich hoch ist.

Was man tun kann: