Antriebslosigkeit
In der klinischen Psychologie und Psychiatrie beschreibt Antriebslosigkeit (auch Avolition) einen tiefgreifenden Mangel an psychischer Energie, Initiative und Tatkraft.
Definition & Beschreibung
In der Fachsprache unterscheidet man oft zwischen verschiedenen Abstufungen:
- Antriebsarmut:
Eine Reduktion der Initiative und Aktivität. Betroffene wirken oft verlangsamt (psychomotorische Hemmung). - Abulie:
Ein krankhafter Willensverlust, bei dem die Unfähigkeit besteht, Entscheidungen zu treffen oder Handlungen einzuleiten. - Avolition:
Ein Begriff aus der Schizophrenie-Forschung, der die Unfähigkeit beschreibt, zielgerichtete Aktivitäten zu beginnen oder aufrechtzuerhalten.
Symptombeschreibung:
Die Betroffenen fühlen sich wie „gelähmt“. Selbst grundlegende Dinge wie Körperpflege oder das Aufstehen am Morgen werden als unüberwindbare Hürden wahrgenommen. Oft geht dies mit einer Anhedonie (Unfähigkeit, Freude zu empfinden) einher.
Relevante Krankheitsbilder
Antriebslosigkeit ist ein unspezifisches Symptom, das bei einer Vielzahl von Störungen auftritt:
Psychische Störungen
- Depression:
Das Leitsymptom.
Der Antrieb ist hier oft morgens am geringsten („Morgentief“). - Burnout-Syndrom:
Resultat chronischer Überlastung; die psychischen Depots sind leer. - Schizophrenie:
Hier tritt Antriebslosigkeit oft als „Negativsymptomatik“ auf (Rückzug, Affektverflachung). - Dysthymie:
Eine chronische, über Jahre anhaltende Form der depressiven Verstimmung mit geringerer Intensität, aber ständiger Antriebsschwäche.
Organische & Neurologische Ursachen
- Endokrine Störungen:
Besonders die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). - Neurologische Erkrankungen:
Multiple Sklerose, Parkinson oder Demenz. - Mangelerscheinungen:
Extremer Vitamin-B12- oder Eisenmangel (Anämie).
Therapieansätze
Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache. In der Regel kommt eine Kombination aus verschiedenen Säulen zum Einsatz:
Psychotherapie
- Verhaltenstherapie (Aktivitätenaufbau):
Dies ist der Goldstandard. Es geht darum, trotz fehlender Motivation kleine Handlungen zu planen (Behavioral Activation). Man wartet nicht auf die Lust, sondern handelt zuerst, damit die Stimmung nachziehen kann. - Kognitive Umstrukturierung:
Bearbeitung von Gedankenmustern wie „Ich schaffe das sowieso nicht“ oder „Es hat alles keinen Sinn“.
Pharmakotherapie (Medikamente)
- Antidepressiva:
Insbesondere Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder SNRI, die teils eine antriebssteigernde Komponente haben. - Phytotherapie:
Bei leichten Formen kann Johanniskraut (hochdosiert) unterstützen.
Ergänzende Maßnahmen
- Lichttherapie:
Besonders effektiv bei saisonaler Depression (Winterdepression). - Sporttherapie:
Körperliche Aktivität wirkt biochemisch wie ein leichtes Antidepressivum und fördert die Neurogenese. - Ergotherapie:
Fokus auf die Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit im Alltag.
Zusammenfassung der Behandlungsstrategie
| Fokus | Maßnahme | Ziel |
| Biologie | Medikamente / Licht | Neurotransmitter-Gleichgewicht wiederherstellen |
| Verhalten | Kleinteilige Tagesstruktur | Den Teufelskreis der Inaktivität durchbrechen |
| Kognition | Therapiegespräche | Selbstabwertung stoppen |