Aphasie
Eine Aphasie ist eine erworbene neurologische Sprachstörung, die durch eine organische Schädigung der sprachdominanten Gehirnhälfte (meist links) verursacht wird. Sie beeinträchtigt die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu produzieren, zu lesen (Alexie) und zu schreiben (Agrafie).
Was ist eine Aphasie?
Eine Aphasie tritt auf, wenn die Sprachzentren im Gehirn (meist in der linken Hemisphäre) geschädigt werden. Die Intelligenz der Betroffenen bleibt dabei oft vollständig erhalten – sie wissen genau, was sie sagen wollen, finden aber die Worte nicht oder können sie nicht korrekt zusammensetzen.
Die zwei wichtigsten Formen
In der klinischen Psychologie und Neurologie unterscheidet man primär zwischen diesen beiden Typen:
| Typ | Ort der Schädigung | Symptome |
| Broca-Aphasie (Motorisch) | Broca-Areal (Frontallappen) | „Telegrammstil“. Die Person versteht alles, hat aber enorme Mühe, Wörter auszusprechen. |
| Wernicke-Aphasie (Sensorisch) | Wernicke-Areal (Schläfenlappen) | „Wortsalat“. Die Person spricht flüssig, aber der Inhalt ergibt keinen Sinn. Das Sprachverständnis ist stark gestört. |
Psychologische Auswirkungen
Eine Aphasie ist für die Betroffenen psychisch extrem belastend. Da die kognitive Leistungsfähigkeit (das „Ich“) oft intakt ist, die Kommunikation aber scheitert, entstehen häufig Sekundärsymptome:
- Sozialer Rückzug:
Aus Scham oder Angst vor Missverständnissen meiden Betroffene Gespräche. - Depression:
Die Frustration über den Verlust der Sprache führt oft zu tiefen depressiven Phasen. - Agitiertheit:
Wutausbrüche, wenn der Gesprächspartner nicht versteht, was gemeint ist.
Abgrenzung zur Alogie
Aphasie wird häufig mit Alogie verwechselt, deshalb hier noch einmal die Unterschiede:
- Alogie (Psychologisch/Psychiatrisch):
Das Problem liegt in der Gedankenbildung. Es sind schlicht keine Gedanken da, die in Worte gefasst werden könnten (typisch bei Schizophrenie). - Aphasie (Neurologisch):
Das Problem liegt im Werkzeugkasten. Die Gedanken sind da, aber der Zugriff auf die Wörter oder die Grammatik ist physisch unterbrochen (typisch nach Schlaganfall oder Tumor).
Therapieansätze
In der Rehabilitation wird meist zweigleisig gefahren:
- Logopädie:
Gezieltes Training der Sprachproduktion und des Verständnisses. - Neuropsychologische Begleitung:
Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und Aufbau von alternativen Kommunikationsstrategien (z. B. Gestik oder Bildkarten).