Appetenz

In der Psychologie beschreibt die Appetenz (von lateinisch appetere = „begehren“ oder „anstreben“) ein motiviertes Streben nach einem positiven Reiz, einem Ziel oder einem angenehmen Zustand. Sie ist das motivationale Gegenstück zur Aversion.

Während Aversion uns dazu bringt, Dinge zu vermeiden, sorgt die Appetenz dafür, dass wir aktiv nach Belohnung, Lustgewinn oder Bedürfnisbefriedigung suchen.

Die Dynamik der Annäherung

Appetenz ist die treibende Kraft hinter dem sogenannten Annäherungsverhalten. In der Motivationspsychologie (besonders bei Kurt Lewin und Neal E. Miller) wird dieses Verhalten durch den Annäherungsgradienten beschrieben:

  • Zunahme der Motivation:
    Je näher man dem gewünschten Ziel kommt (zeitlich oder räumlich), desto stärker wird das Verlangen, es zu erreichen.
  • Beispiel:
    Die Vorfreude auf einen Urlaub steigt oft massiv an, je näher der Abreisetag rückt.

Appetenz in der Konsistenztheorie (Grawe)

Für Klaus Grawe ist die Appetenz eng mit dem Grundbedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung verknüpft. Wir entwickeln „Annäherungsziele“, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen:

  • Sinnstiftung:
    Wir streben nach Tätigkeiten, die uns Kompetenz vermitteln (Selbstwerterhöhung).
  • Bindung:
    Wir suchen die Nähe zu anderen Menschen, um Geborgenheit zu erleben.
  • Neurobiologie:
    Appetenz wird maßgeblich durch das dopaminerge Belohnungssystem gesteuert. Das Gehirn schüttet Dopamin aus, sobald wir ein Ziel ins Auge fassen, was uns Energie für das Handeln gibt.

Konfliktkonstellationen

Appetenz tritt selten isoliert auf. Oft entstehen Spannungszustände, wenn verschiedene Kräfte gleichzeitig wirken:

  • Annäherungs-Annäherungs-Konflikt:
    Man muss sich zwischen zwei gleichermaßen attraktiven Zielen entscheiden (z. B. zwei tolle Jobangebote). Dies ist meist der „angenehmste“ Konflikt.
  • Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt (Ambivalenz):
    Ein Ziel hat sowohl anziehende als auch abstoßende Seiten (z. B. eine Beförderung, die mehr Geld, aber auch deutlich mehr Stress bedeutet).

Zusammenfassung

Appetenz ist das aktive, zielgerichtete Streben nach positiven Erfahrungen und Belohnungen, das unser Handeln energetisiert und für die Befriedigung unserer psychologischen Grundbedürfnisse sorgt.