Apraxie

Die Apraxie (griechisch für „Untätigkeit“) ist eine neuropsychologische Störung der Ausführung von willkürlichen, zielgerichteten und gelernten Bewegungen. Das Besondere daran: Die motorischen Grundfunktionen (Kraft, Beweglichkeit, Koordination) sowie das Verständnis der Handlungsaufforderung sind intakt, aber die „Programmierung“ der Bewegung im Gehirn ist gestört.

Ursachen und Lokalisation im Gehirn

Apraxien entstehen meist durch Schädigungen der dominanten Gehirnhälfte (bei Rechtshändern meist links), insbesondere im Parietallappen (Scheitellappen) oder im Präfrontalkortex. Häufige Auslöser sind:

  • Schlaganfälle (häufigste Ursache)
  • Schädel-Hirn-Traumata
  • Hirntumore
  • Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer-Demenz oder Corticobasale Degeneration)

Die drei Hauptformen der Apraxie

In der klinischen Psychologie und Neurologie wird primär zwischen diesen drei Typen unterschieden:

Ideomotorische Apraxie (Die häufigste Form)

Hier ist der Plan der Bewegung im Kopf vorhanden, aber die Umsetzung in die motorischen Befehle scheitert. Die Patienten wissen, was sie tun wollen, aber die Bewegung wirkt „unbeholfen“ oder fehlerhaft.

  • Symptom:
    Auf Aufforderung kann eine Geste (z. B. „Zeigen Sie, wie man hämmert“) nicht korrekt ausgeführt werden. Typisch ist das Benutzen von Körperteilen als Objekt (z. B. der Zeigefinger wird als Zahnbürste benutzt, statt eine imaginäre Bürste zu halten).
  • Besonderheit:
    Automatisierte Handlungen im Alltag (z. B. das Kratzen am Kopf, wenn es juckt) funktionieren oft noch reibungslos, während die bewusste Ausführung auf Befehl scheitert.

Ideatorische Apraxie

Hier ist bereits der Entwurf (die Idee) der Handlung gestört. Der Patient hat die logische Abfolge von komplexen Handlungsketten verloren.

  • Symptom:
    Bei der Aufgabe, einen Brief zu versenden, wird vielleicht erst die Marke geleckt, dann das Papier gefaltet und versucht, es in die Marke einzupacken. Die Einzelbewegungen sind geschmeidig, aber die Reihenfolge ist unsinnig.
  • Alltag:
    Betroffene wirken oft verwirrt oder zerstreut, da sie Objekte zweckentfremden (z. B. versuchen, mit dem Löffel zu schneiden).

Konstruktive Apraxie

Diese Form betrifft das räumliche Zusammenfügen von Teilen zu einem Ganzen.

  • Symptom:
    Patienten scheitern daran, einfache geometrische Figuren nachzuzeichnen oder aus Bauklötzen ein Modell nachzubauen. Die visuell-räumliche Planung zwischen Auge und Hand ist unterbrochen.

Abgrenzung zu anderen Störungen

Um eine Apraxie sicher zu diagnostizieren, müssen Psychologen andere Ursachen ausschließen:

  • Ataxie:
    Hier ist die Koordination der Muskeln gestört (z. B. schwankender Gang), nicht die Planung.
  • Paresen:
    Hier liegt eine echte Lähmung oder Muskelschwäche vor.
  • Agnosie:
    Hier erkennt der Patient das Objekt nicht. Bei der Apraxie erkennt er den Hammer, weiß wofür er ist, kann ihn aber nicht richtig schwingen.

Diagnostik und Therapie

In der Neuropsychologie werden standardisierte Tests eingesetzt, bei denen Patienten Gesten imitieren, Werkzeuge gebrauchen oder Handlungsabfolgen pantomimisch darstellen müssen.

Die Therapie erfolgt meist interdisziplinär durch Ergotherapie und Logopädie. Da das Gehirn plastisch ist, werden Handlungsabfolgen durch ständiges Wiederholen neu „eingeschleift“ oder es werden Kompensationsstrategien entwickelt (z. B. visuelle Hinweisreize oder Piktogramme für komplexe Abläufe).

Zusammenfassung

Die Apraxie ist eine neurologisch bedingte Störung, bei der die Planung und Ausführung von gelernten Bewegungsabfolgen beeinträchtigt ist, obwohl die körperliche Kraft und das Verständnis vorhanden sind. Sie äußert sich entweder in fehlerhaften Einzelbewegungen (ideomotorisch) oder in einer gestörten Logik bei komplexen Handlungsketten (ideatorisch).