Aufmerksamkeitstraining (ATT)

Die Aufmerksamkeitstraining (ATT) (engl. Attention Training Technique) ist eine spezifische Behandlungsmethode aus der Metakognitiven Therapie (MCT), die von dem britischen Psychologen Adrian Wells entwickelt wurde.

Obwohl sie oft mit Meditation oder Achtsamkeit verwechselt wird, ist sie eher ein „Fitness-Training für die Aufmerksamkeit. Das Ziel ist nicht Entspannung, sondern die Stärkung der kognitiven Kontrolle über den Fokus.

Das Ziel: Kognitive Flexibilität

Menschen mit psychischen Belastungen leiden oft unter einem „festgeklebten“ Fokus (siehe Kognitives Aufmerksamkeitssyndrom CAS). Die ATT soll das Gehirn darauf trainieren:

Der Aufbau der Übung

Die ATT dauert in der Regel etwa 12 bis 15 Minuten und besteht aus drei aufeinanderfolgenden Phasen, während man sich auf verschiedene Geräusche im Raum oder in der Umgebung konzentriert:

  1. Selektive Aufmerksamkeit:
    Man konzentriert sich nacheinander auf einzelne Geräusche (z. B. nur das Ticken einer Uhr, dann nur das Rauschen des Verkehrs), während man andere Geräusche ignoriert.
  2. Schnelles Umschalten (Rapid Switching):
    Man wechselt den Fokus sehr schnell zwischen den verschiedenen Geräuschen hin und her („Jetzt die Uhr – jetzt der Vogel – jetzt der Verkehr“).
  3. Geteilte Aufmerksamkeit (Divided Attention):
    Man versucht, so viele Geräusche wie möglich gleichzeitig wahrzunehmen und den Fokus maximal zu „weiten“.

Wichtige Abgrenzung

Die ATT ist keine Ablenkung.

  • Ablenkung wäre:
    „Ich habe Angst, also höre ich Musik, um die Angst nicht zu spüren.“ (Vermeidung).
  • ATT ist:
    „Ich spüre die Angst, aber ich trainiere mein Gehirn darin, dass ich die Wahl habe, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte.“

Es geht um das Erlernen von Metakontrolle. Man erkennt, dass Gedanken und Gefühle zwar da sein dürfen, sie aber nicht die gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen müssen.

Anwendung

Die ATT wird erfolgreich eingesetzt bei:

Praxishinweise zur ATT

  • Keine Entspannung erzwingen:
    Das ist der häufigste Fehler. Die ATT ist anstrengend wie ein Workout. Wenn man sich danach müde oder sogar leicht gestresst fühlt, hat man es oft richtig gemacht. Entspannung ist ein möglicher Nebeneffekt, aber nicht das Ziel.
  • Wahrnehmen, nicht bewerten:
    Die Geräusche dienen nur als Anker. Es geht nicht darum, ob das Geräusch schön oder störend ist, sondern nur darum, die Aufmerksamkeit gezielt dort zu platzieren.
  • Umgang mit Ablenkung:
    Wenn während der Übung Sorgen oder Gedanken auftauchen, werden diese kurz registriert („Ah, ein Gedanke“) und die Aufmerksamkeit wird sanft, aber bestimmt wieder auf das Geräusch zurückgeführt. Das ist genau der Moment, in dem der „Aufmerksamkeitsmuskel“ trainiert wird.

Zusammenfassung: Das Aufmerksamkeitstraing (ATT) ist ein mentales „Fitness-Training“, das durch gezielte Konzentration auf externe Geräusche die Fähigkeit stärkt, die eigene Aufmerksamkeit aktiv von belastenden Gedanken und Sorgen abzuziehen.