Belohnungssystem

Das Belohnungssystem (mesolimbisches System) ist der „Motor“ unserer Motivation. In der Psychologie erklärt es, warum wir bestimmte Dinge tun, warum wir süchtig werden und warum uns bei Antriebslosigkeit oft der „Sprit“ fehlt.

Die Anatomie der Belohnung

Das Belohnungssystem ist kein einzelnes Organ, sondern ein neuronales Netzwerk, das tief im Gehirn sitzt. Die wichtigsten Stationen sind:

Dopamin: Nicht der Genuss, sondern das Streben

Ein häufiges Missverständnis: Dopamin ist kein „Glückshormon“, das ausgeschüttet wird, wenn wir am Ziel sind. Es ist das Hormon der Erwartung.

  • Wanting vs. Liking:
    Psychologen unterscheiden zwischen dem „Wollen“ (Dopamin) und dem „Mögen“ (Endorphine/Opiate).
  • Die Vorfreude:
    Dopamin wird ausgeschüttet, wenn wir ein Ziel sehen oder eine Belohnung erwarten. Es liefert die Energie (den Antrieb), um aktiv zu werden.

Fehlfunktionen: Wenn das System streikt

Anhedonie und Antriebslosigkeit

Bei einer Depression oder chronischem Stress ist das Belohnungssystem oft abgestumpft.

  • Die Dopamin-Ausschüttung sinkt.
  • Dinge, die früher Spaß gemacht haben (Hobbys, Essen, Sex), lösen keine Erwartungsfreude mehr aus.
  • Folge: Da das Gehirn keine Belohnung prophezeit, stellt es auch keine Energie (Antrieb) bereit. Man bleibt auf dem Sofa sitzen.

Sucht und das „Hijacking“

Drogen, Glücksspiel oder auch Social Media (Likes) „kapern“ das System. Sie fluten den Nucleus accumbens mit künstlich hohen Mengen Dopamin.

  • Das Gehirn schützt sich, indem es Rezeptoren abbaut.
  • Folge: Natürliche Belohnungen (ein Spaziergang, ein Gespräch) reichen nicht mehr aus, um das System zu aktivieren. Man fühlt sich ohne den Suchtreiz leer und antriebslos.

Das Belohnungssystem „reaktivieren“

In der Therapie nutzt man das Wissen über dieses System, um aus der Antriebslosigkeit zu finden:

  1. Micro-Wins:
    Setze so kleine Ziele, dass ein Erfolg garantiert ist. Jedes „Erledigt“-Häkchen triggert eine kleine Dosis Dopamin.
  2. Belohnungs-Anker:
    Kopple unangenehme Aufgaben an angenehme Reize (z. B. nur beim Putzen den Lieblings-Podcast hören).
  3. Dopamin-Fasten:
    Reduziere hochintensive Reize (Endlos-Scrolling, Pornos, Zucker), damit deine Rezeptoren wieder empfindlicher für leise, natürliche Reize werden.

Zusammenfassung: Der Zusammenhang

  • HPA-Achse:
    Schüttet Cortisol aus (bereitet auf Stress vor).
  • Basalganglien:
    Selektieren die Bewegung (das „Go“).
  • Belohnungssystem:
    Liefert den Treibstoff (Dopamin), damit die Basalganglien überhaupt das „Go“ geben wollen.