Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

In der Psychologie bezeichnet der Bestätigungsfehler (englisch: Confirmation Bias) die kognitive Verzerrung, Informationen so auszuwählen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie die eigenen bestehenden Erwartungen oder Überzeugungen stützen.

Diese Tendenz gilt als eines der am weitreichendsten untersuchten Phänomene der Kognitionspsychologie und spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Vorurteilen und Fehlentscheidungen.

Die drei Säulen des Bestätigungsfehlers

Die Forschung unterteilt diesen Mechanismus meist in drei spezifische Bereiche der Informationsverarbeitung:

1. Selektive Suche (Biased Search)

Menschen suchen bevorzugt nach Beweisen, die ihre Hypothesen stützen. Informationen, die die eigene Meinung widerlegen könnten (Disconfirmation), werden oft gar nicht erst wahrgenommen oder aktiv gemieden.

  • Beispiel: Ein Anleger, der von einer Aktie überzeugt ist, liest nur positive Analystenberichte und ignoriert Warnungen vor einem Kursabfall.

2. Selektive Interpretation (Biased Interpretation)

Mehrdeutige Informationen werden so gedeutet, dass sie die eigene Position bekräftigen. Widersprüchliche Informationen werden hingegen kritischer hinterfragt, als unzuverlässig abgetan oder umgedeutet.

  • Beispiel: Anhänger unterschiedlicher politischer Lager sehen in derselben neutralen Statistik jeweils den Beweis für die Korrektheit ihrer eigenen Ideologie.

3. Selektives Erinnern (Biased Memory)

Informationen, die mit dem eigenen Weltbild übereinstimmen, werden effizienter im Langzeitgedächtnis gespeichert. Widersprüchliche Fakten werden hingegen schneller vergessen oder im Nachhinein verzerrt erinnert, um die kognitive Konsonanz zu wahren.

Psychologische Hintergründe

Warum unterliegen wir diesem Fehler? Die Psychologie nennt hierfür vor allem zwei Gründe:

  • Kognitive Effizienz:
    Es ist geistig weniger anstrengend, Informationen in bestehende Schemata einzuordnen, als das gesamte Denksystem bei jedem Gegenbeweis umzustrukturieren.
  • Vermeidung von kognitiver Dissonanz:
    Der Mensch strebt nach einem inneren Gleichgewicht. Widersprüchliche Informationen erzeugen psychischen Stress (Dissonanz). Der Bestätigungsfehler fungiert hier als Schutzmechanismus des Selbstwertgefühls.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

  • Eisberg-Effekt in Debatten:
    Da jede Partei nur die eigene Sichtweise validiert sieht, verhärten sich Fronten, was den gesellschaftlichen Diskurs erschwert.
  • Filterblasen:
    Soziale Medien verstärken diesen Effekt durch Algorithmen, die uns primär Inhalte anzeigen, die unseren Präferenzen entsprechen.
  • Wissenschaft und Justiz:
    Selbst Experten sind nicht immun. In der Forschung kann dies zu Fehlinterpretationen von Daten führen; in der Justiz zur Fixierung auf einen Verdächtigen trotz entlastender Indizien.

Zusammenfassend ist der Bestätigungsfehler eine der wesentlichen Ursachen für soziale Spaltung und die Schwierigkeit, in einer komplexen Welt gemeinsame Lösungen zu finden